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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 25

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Gibt es ein jüdisch-christliches Problem?
Date
1925-01-01
Page
25 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Gibt es ein jüdisch-christliches Problem? recht aus seiner Tugend herleiten müssen? Dies ist lächerlich. Unsere Geschäftsleute dürfen ruhig mit den christlichen Geschäftsleuten ihrem Geschäft nachgehen, solange das gegenwärtige Wirtschaftssystem den christlichen Völkern und ihren farbigen Sklaven seinen zweigesichtigen Segen spendet. Es ist eine Heuchelei, die wir nicht länger mitmachen sollten, den Verzicht auf das irdische Gut einzig von den Juden zu verlangen, die ohne diesen erbärmlichen Schutz hilflos unter den Räubern aller Zungen wären. Nach Ausweis der älteren wie der jüngsten Geschichte sind immer gerade die ärmeren Juden die Opfer der Pogrome gewesen, und eine Entblößung der Juden von allem Kapital würde, wie wir seit dem Weltkriege annehmen können, nur der katastrophalen Entfesselung der stets lenkbaren und ablenkbaren Leidenschaften der Massen zum Verderb unserer Stammesgenossen dienen. Der Handelsgeist, gegen den die Jahvisten seit Arnos einen ständigen Kampf führen, ist das Rückgrat Europas, wie es die Seele von Babylon, von Hellas und von Florenz war. Die römische Kirche ist durch diese Verhältnisse weltbeherrschend geworden, ebenso wie später die Angehörigen der kalvinistischen englischen Kirchen. Warum nicht auch die Synagoge? „Laissez faire, laissez passer 1" Hier wenigstens sind die Zöllner auch zugleich die Pharisäer. Doch den Inhalt des jüdischen Problems sollen unsere Mitansprüche auf den europäischen, z. B. den deutschen, Heimatboden bilden. Doch diese Ansprüche waren immer nur gleich den in den Gesetzen ausgedrückten tatsächlichen Verhältnissen. Die Gleichung von Recht und Macht kann der Zyniker zynisch nehmen, der Kontemplative wird sie immer kontemplativ fassen. Will man im Zeitalter der Sozialwissenschaften länger von „Fremdstämmigkeit" und gar von „Wirtsvölkern" reden? Der Jude setze dem künftig Schweigen entgegen. Daß die moralisch nicht qualifizierbare Tatsache der kriegsmäßigen Besiedlung und späteren gewaltmäßigen Arrondierung des Bodens durch mehrere Germanenstämme und ihre moralfreien Beamten (Grafen, Vögte usw.) auch wieder nur tatsächliche Verfügungsverhältnisse schaffen konnten, aber niemals irgendwelchen moralischen Vorrang vor den sporadisch nachwandernden, da und dort sogar vorgefundenen, anderen Elementen der Bevölkerung (den Juden z. B.) —, dies leuchtet rechtsgeschichtlich jedermann ein. Nur um uns zu fischen, trüben die Menschenangler diese klare Erkenntnis. Das Recht des einzelnen Juden auf seine europäische Heimat ist in keiner Beziehung schlechter oder geringer als das seiner angeblich arischen Nachbarn. Er ist, sogar in den (ganz seltenen) Fällen der groben Übervorteilung, moralisch nicht schlechter und juristisch immer noch besser als der offen räuberische „vitiose" Be- 25

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