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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 20

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Mensch und Gott
Date
1925-01-01
Page
20 (sequence 5)
Language
German
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' Martin Dibelius 'Strömung, und damit eines Elements, das die abendländische Welt zu ihren Bildungsgrundlagen rechnet. Die Axt talmudischer Beweiaführung, talmudischer Logik, talmudischen Erzählungsstils ist anders als das, was in unserer Bildungswelt üblich ist; und der abendländische Nichtjude, der im Interesse seiner Forschung wochen- und monatelang sich in das rabbinische Schrifttum versenkt, wird mitunter einen gewissen Einfluß des Gelesenen und Durchdachten auf sein eigenes Denken spüren, etwa in einer verstärkten Neigung zu Assoziationen oder zu jenen Äxten, logische Schlüsse zu ziehen, die wir als talmudisch kennen. Diese Absonderung des Judentums aus unserer abendländischen Bildungsgeschichte hat, wenn ich recht sehe, zwei Ursachen, eine äußere und eine innere. Zunächst ist daran zu erinnern, daß das Judentum Staaten- und heimatlos geworden war. Es war dem Boden der Heimat und damit den urtümlichen Zusammenhängen entfremdet, die zwischen Mensch und Scholle bestehen. Das jüdische Volk empfand freilich infolge seiner Anlage und seiner geschichtlichen Schicksale die Bindung durch das Blut, durch die Familie und die innere Gemeinschaft eines äußerlich zerstreuten Volkes um so stärker; aber die Entfernung vom eigenen Boden hat doch zweifellos eine Ernüchterung bedeutet, einen Wegfall von Imponderabilien, die anderen Völkern eigen sind. Und diese Entwicklung des Judentums zu einem Volk zwischen den Völkern, das auch beruflich auf die Rolle des Zwischenhändlers angewiesen war, hatte sich bereits vor der Katastrophe in dem Judentum der Diaspora angebahnt, das ja schon damals der Heimat entbehrte; und gerade die uns neu geschenkten Papyrusurkunden aus Alexandria zeigen deutlich, wie die dortige Judenschaft eine besondere, von der römischen Politik wohl beachtete Stadthälfte darstellte, die sogar ihre eigenen Gesandtschaften nach Rom schickte. Aber allgemein kann diese Ernüchterung doch erst geworden sein, als der größte Teil der Judenschaft von dem Schicksal der Zerstreuung betroffen wurde. Dieses Schicksal zu tragen hat dem Judentum eine Entwicklung innerhalb seiner Religion zweifellos mitgeholfen. Die Konzentration des Rabbinismus erhob das pharisäische Leben zum normalen Typus. Das hellenistisch-philosophische Judentum ist diskreditiert, das apokalyptische Judentum ist wenigstens zunächst durch die nationalen Katastrophen unter Pompe jus, Titus, Hadrian erledigt Wer Jude sein will, kann es jetzt nur mehr auf dem Weg, den ihm der Gesetzes.- fromme weist Das Leben nach dem Gesetz, dem Volk schon jahrhundertelang gepredigt und vorgelebt, erlangt nun eine Verselbständigung, die es nicht hatte, solange Israel sein Heiligtum auf Erden besaß, also einen Kultus im antiken Sinn übte. Nun ist das Verhalten 20

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