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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 8

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Vom erledigten Judentum
Date
1925-01-01
Page
8 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Nathan Birnbaum schaft ablegt, klar, daß dieses seit seinem zweiten weltgeschichtlichen Siege an Wirkung nach außen zurückblieb. Wenn auch anzunehmen ist, daß die christliche Welt des Mittelalters und der Neuzeit viel von ihrem Haltung-bewahren und Straffung-gewinnen — beides in der Richtung jüdischen Geistes gemeint — dem stummen jüdischen Zeugnis und Beispiel verdankt, so ist das im Sinne der Auserwählung doch etwas zu wenig an Leistung, und es bleibt dem jüdischen Volk noch immer vieles zu tun übrig. Es hat seine Auserwählung weiter zu bewähren: Nicht durch „Bekehrung" nach der Art des Christentums und des Islam, auch nicht durch jene selbstherrliche und selbstgefällige Weltbeglückungs-Gymnastik im leeren Raum, wie sie in der entjudeten jüdischen Intelligenz unserer Tage gang und gäbe ist1), sondern durch Arbeit an sich selbst, durch jene ihm aufgetragene Selbstheiligung, die das dritte verbindende Element zwischen den zwei anderen Elementen der Auserwählung, Thora und Messias, darstellt. Nun haben die letzten Zeitläufte eine Erscheinung gebracht, die den Zweifel begünstigt, daß solche Bewährung noch möglich sei. Zu der Menge materialistischer Gottesleugner älteren und neueren Stils ist nämlich neuerdings, namentlich unter der Jugend, eine neue Sorte Abtrünniger hinzugekommen: Leute, die sich alle von christlicher Seite gegen das Judentum geltend gemachten Argumente angeeignet haben und in verschiedenen Abstufungen für das Christen- *) In meiner demnächst im Hermon-Verlage in Frankfurt a. Main erscheinenden, im Druck befindlichen Schrift „Im Dienste der Verheißung" beschäftige ich mich eingehender u. a. auch mit dieser Art von Bewährung. Die betreffenden Intelligenzkreise scheinen mir übrigens dieselben zu sein, die Oscar A. H. Schmitz in seinem Aufsatz im Sonderheft „Antisemitismus und jüdisches Volkstum" als „nichtwünschenswert" bezeichnet, und ich stehe nicht an, zu erklären, daß ich seiner Charakteristik fast durchaus zustimme. Und wenn ich auch weit davon entfernt bin, wie er, auf bestimmte Persönlichkeiten exemplifizieren zu wollen, so kann ich es doch von meinem Standpunkt nur beklagen, daß man jüdischerseits noch immer nicht begriffen hat, worum es sich eigentlich bei einer Kritik wie die Schmitzsche handelt: daß da nicht der persönliche Edel- und Opfermut, das empfindliche soziale Gewissen und andere gute Eigenschaften dieses oder jenes Menschen in Frage stehen, sondern auf jene unfruchtbare „Weltbeglückungsgymnastik im leeren Räume", wie ich es oben nenne, hingewiesen wird, die neben vielen minderwertigen auch so manchen hochwertigen jüdischen Menschen unserer Zeit eignet. Leider wird es wohl noch lange dauern, bis unsere Maßgebenden und die an ihnen sich das Maß Nehmenden die Unfruchtbarkeit dieser Eignung und ihre Bedenklichkeit für den Ruf unseres Volkes und für die Herstellung seines seelischen Gleichgewichts erkennen werden. — Wenn übrigens Schmitz seine „Nichterwünschten11 aus der ,,pharisäischen Grundstimmung" der Judenheit erklärt, so ist das als Konstruktion eine beachtenswerte Leistung, aber falsch, grundfalsch. Was ihm diese Leute so „nichterwtinscht" macht, entspringt, im Gegenteil, der heidenrebellischen europäischen Verhunzung der jüdischen Pflicht von Mensch zu Mensch und die jüdischen Adepten dieser Verhunzung haben höchstens einen Schuß jüdischen Temperamentes und einen zweiten jüdischen Eigensinns dazu getan. 8

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