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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 9

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Vom erledigten Judentum
Date
1925-01-01
Page
9 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Vom erledigten Judentum tum Zeugnis ablegen; die den Stolz auf die Erstgeburt im Geiste, die Gewißheit der fortdauernden Auserwähltheit, die Sicherheit reinsten religiösen Besitzes, unentwertbarer Gabe an die Menschheit verloren haben; denen die Ablehnung der mit großer Suada einherstürmenden Versuchung nicht mehr selbstverständlich ist. Allein sie melden ja bei aller ihrer Unerfreulichkeit nur, daß die Wasser sich verlaufen. Denn eine Sintflut war es, die des Materialismus, die fast die ganze jüdische Intelligenz verschlungen hatte. Und als die Wasser zu fallen begannen, machte sich zunächst eine Art Religiosität bemerkbar, die sich als neue fühlte und ausgab. Schaumhaft in ihrem Wesen und ohne Ahnung von der Wesentlichkeit religiöser Gemeinschaft für die religiöse Erfüllung, mußte sich ihre Unzulänglichkeit, das erwachte religiöse Bedürfnis zu befriedigen, bald enthüllen. Die Wasser fielen noch weiter. Man suchte schon religiöse Bestimmtheit. Nur war es schon Gewohnheit geworden, das Judentum zu mißachten, und so dachte man gar nicht daran, zu diesem zurückzukehren. Zudem war man durch die Zerstörungsarbeit der vorausgegangenen letzten Generationen zum großen Teile allen Wissens um das Jüdische und allen jüdischen Wissens ledig geworden, während man vom Christentum durch die allgemeine Bildung wenigstens allgemeine, populäre Vorstellungen hatte. Und das übrige tat der Einfluß der großen Umkehrbewegung in der christlichen Welt selbst. Man konnte mit allen den Umkehrenden zusammen Erlösung im Glauben finden. Allein die Wasser fielen noch weiter. Tiefere Naturen mißtrauten dem Scherbengericht der Welt, ahnten die Beseligungsmöglichkeiten vom Judentum her und die fortdauernde Begnadung des jüdischen Volkes. Und fanden heim. Und so geschah es, daß heute neben der christianisierenden Jugendbewegung eine andere läuft, welche die Rückkehr zum religiösen Volljudentum zum Inhalte hat, und sollte auch die erste an Zahl der Bewegten die zweite überragen — so sicher ist das auch nicht —, an Klarheit und Festigkeit des Wollens, an praktischer Folgerichtigkeit, an Einheitlichkeit wird sie sicher von ihr übertroffen. Dazu kommt, daß die immer Treugebliebenen längst zur kämpfenden Abwehr ertüchtigt sind. Die anderen haben also nicht mehr freies Spiel und die so leicht betörte Masse hat nun doch auch jüdischere Vorbilder vor sich als sie. Mit einem Wort: Das Judentum setzt ruhig seinen Weg fort, weiß sich weiter als ein Gefäß und ein Werkzeug göttlicher Gnade. Und wie es im Anfange die große religiöse Wende der Menschheit heraufbrachte, so wird es ihr „am Ende der Tage" das Tor der Erlösung öffnen. 9

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