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Der Jude · 1916-12-01 · Heft 9 (Dezember 1916) · p. 626

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 9 (Dezember 1916)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1916-12-01
Page
626 (sequence 4)
Language
German
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626 Arno Nadel: — Oi, du Mensch du narrischer Mensch, Wos steihstu asei vertracht? Geih zu a bissele näh'nter Mir hoben dir a Bsure gebracht! Wie er hot genummen nähnter kummen; Hot er sich bagossen mit Thrären; — Lost gerissen main siss-Leben, As ich well sich zurick nit kehren! — Oi, ihr Wegs-lait, ihr Wegs-lait, Wie wert ihr nit mid auf die Fiß? Tomrner wet ihr dersehen main siss- Git ihr op vun mir a Geriß! [Leben, Hoben sich die Wegs-lait zulosen leifen, In alle vier saiten; Hoben sei dersehen, as sain siss-Leben Steiht doch gor vun waiten. — Oi, du Mensch, du narrischer Mensch, Wos steihstu asei vertracht? Geih zu a bissele nähnter, Mir hoben dir a Bsure gebracht! Wie sie hot genummen nähnter kummen, Hot sie sich bagossen mit Thrären: — Dir lost gerissen dain siss-Leben, As er wet sich schoin karik nit kehren! Nehm-ze arop dain Krein vun Kop Un dte Freid vun Harzen: Er lost dir gerissen, dain siss-Leben, As du kennst sich onthon in Schwarzen. O du Mensch, du närrischer Mensch, Was stehst du so verdacht? Komme nur ein wenig näher, Wir haben dir Botschaft gebracht. Wie er sich anschickte, näher zu treten, In Tränen ist er geschwommen: Laßt grüßen mir mein süßes Leben, Ich werde nicht wieder kommen. 0 ihr Wegsleut, ihr Wegsleut, Was wird nicht müd euer Fuß, Vielleicht erblickt ihr mein süßes Leben, Bringt ihr von mir einen Gruß. Fingen die Wegsleut zu laufen an Nach allen vier Seiten. Da erblickten sie, — sein süßes Leben Steht und sinnt von weitem. 0 du Mensch, du närrischer Mensch, Was stehst du so verdacht? Komm nur ein wenig näher, Wir haben dir Botschaft gebracht. Wie sie sich anschickte näher zu treten, Ist sie in Tränen geschwommen. Dich läßt schön grüßen dein süßes Leben, Er wird nicht wieder kommen. Nimm schon herunter die Krone vom Und deine Freude vom Herzen, [Kopf Es läßt dich grüßen dein süßes Leben, Zieh an die Kleider die schwarzen. Ginsburg und Marek, Nr. 135. — Eins der allerschönsten und interessantesten Lieder. Hier sieht man so recht, daß diese Lieder nicht nur die Sprache von den Deutschen geliehen, sondern auch die Form: „Wär ich ein Vögelein, Wollt ich bald bei dir sein" Entsprechen diese beiden Verse aus „Ach, wie ists möglich dann" nicht genau den Zeilen: Würd ich sein ein Vögelein, Wär ich zu ihm geflogen. Aber dennoch sind unsere Lieder echt, echt jüdisch. Ihr Geist, ihr Rhythmus, ihre Wildheit, ihr ganzes zigeunerhaftes Temperament, — das alles ist jüdisch. Der

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