Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1916)
- Article
- Das jüdische Volk und seine Parteien
- Date
- 1916-12-01
- Page
- 593 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3101111-3101112-8875891-3110568--0833-3110625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das jüdische Volk und seine Parteien 593 mehr gefühlsmäßig von den Vertretern des sogenannten Gemeindeliberalismus propagiert und verteidigt wird. In diesen östlichen Ländern finden aber die Polonisierungsbestrebungen einen organisierten Widerstand an den nationalen Parteien. Einen Auswuchs der Assimilationspartei bildet das antizionistische Komitee. Da dieses ausgesprochener Weisejiurjiegaü^_Kampfaufgaben hat, so ist ihm nach dem früher Ausgeführten jede ^^jsx^S^Sl^gW^&^^^^^^^ Es verdankt seine Entstehung der Aufwallung des Parteihasses und dem Mangel an Fähigkeit, eine andere politische Auffassung des Judentums als die hergebrachte zu verstehen. Aber auch der Zionisjillisj^ einseitig-betätigt. Sein Ziel ist Freiheit der Kolonisation und soziale, religiöse, kulturelle und wirtschaftliche Autonomie für die Juden in Palästina. Seine Aufgabe ist also nicht etwa die Verpflanzung aller Juden nach Palästina, sondern nur die Schaffung eines jüdisch-nationalen Mittelpunktes in diesem Lande. Es mag betont werden, daß diese Siedlung in voller Wahrung der türkischen Hoheitsrechte und im Einvernehmen mit der türkischen Regierung geplant ist. Die Zionisten glauben, daß die Menschenarmut der in Frage kommenden Gebiete und die bisherige extensive Wirtschaft das Zuströmen eines gesunden Einwandererelements wie der idealistisch gesinnten zionistischen Jugend für die Wohlfahrt der Türkei wünschenswert erscheinen läßt. Da aber nach menschlichem Ermessen, wenn man nicht mit Wundern rechnet, nur ein kleiner Teil der Juden nach Palästina verpflanzt werden kann, liegt die Gefahr nahe, daß eine einseitige zionistische Politik die realen gegenwärtigen Interessen und die Arbeit für eine Verbesserung der Lage der jüdischen Massen des Ostens vernachlässigt. DieseJMahnung gilt fürjyügj&j^^ wo sie in radikaler Ideologie geneigt sind, skia.. von,der.nichtzipnistisch abzj^oudßj:n, ebenso~wTe für die des europäisxhen^Ostens, wo sie Gefahr laufen, den Zusammenhang mit der jüdisch-nationalen Masse, die gegen ihre Entrechtung und für die eigene Sprache kämpft, zu verlieren. Diese Einkapselung des Zionismus wäre nicht denkbar, wenn der jüdische Nationalismus richtig erkannt und gewertet würde, der eine wesentliche Grundlage des Zionismus bildet. Dieser Nationalismus hat die Aufrechterhaltung des lebendigen Zusammenhangs aller Kreise und Richtungen des Judentums zur selbstverständlichen Voraussetzung. Er wird jedes Trennungs- und Spaltungsprinzip auf das energischste bekämpfen müssen. Er muß auch diejenigen als Vertreter des Judentums anerkennen und würdigen, die einen anderen politischen Standpunkt vertreten als den zionistischen. Er darf niemals einen Teil der Judenheit für deren nationale Aufgaben als verloren betrachten, solange jener sich nicht durch die Taufe vom Judentum förmlich losgesagt hat. Ein Zionismus, der diese Grundsätze verleugnet und einseitig Palästinapolitik treibt, kann schließlich einen kleinen Teil des jüdischen Volkes vom Untergang retten. Die große Masse bliebe der Auflösung überlassen, wenn sie sich nicht selbst helfen würde. Auch der Nationalismus allein ohne seine konsequente Fortbildung im Zionismus füllt den Inhalt des jüdischen Volkswillens nicht völlig aus. Er hj^jlk^nationale ErhaLt^ Er vertritt die Auffassung, daß die Zukunft des jüdischen Volkes, seine freie politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung nur durch Festhalten an seiner Eigenart in Sprache, Religion und Volkssitten gefördert und geschützt werden könne. Er verlangt deshalb im