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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 105

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Entgegnung
Date
1925-01-01
Page
105 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen und kein Buch dem gereiften Menschen erschüttern und die einem auch die Adler des Prometheus nicht aus den Eingeweiden hacken könnten!). Dabei geht es hier nicht um etwas, das ein Nichtjude oder Jude erst erlernen müßte, sondern um eine Sache, die beide unmittelbar und gleich stark berührt und die beide täglich im eigenen Leben wie dem des Volksganzen bitter und schwer genug erleben. Die Frage, die wir als Ausgangspunkt und Grundlage der Diskussion aufwarfen, lautete in knappster Formulierung: Wie können Juden, die ihr eigenes Volkstum nicht verleugnen wollen, unter den anderen Völkern der Diaspora leben, die unwidersprochen immer die weitaus größte Mehrzahl der Juden umfassen wird? Kein Deutscher habe in dieser Frage, die sein Volk und Land doch hinreichend berührt und erregt, etwas dreinzureden, wir hätten das Recht, die Sache unter uns allein auszumachen? Ich greife mir an den Kopf und frage mich, ob das wirklich ein Jude geschrieben hat. Das ist doch, Satz für Satz, Wort für Wort, die antisemitische Ideologie von den deutschen Belangen, in die Juden sich nicht einzumischen haben! Bloß die Adjektiva sind vertauscht. Über diese Enge eines zurückgebliebenen Rassenfanatismus glauben wir hinaus zu sein. Wir zucken nicht gleich zusammen, wenn einer über die Juden, zu Recht oder Unrecht, eine bissige Bemerkung macht, wir schreien auch nicht gleich auf, wenn sich jemand als Antisemit entpuppt, den wir nicht dafür gehalten. Gelassen und mit der Nachsicht, die die Festigkeit des eigenen Willens und die Sicherheit der eigenen Überzeugung gibt, hören wir jeden an, der eine sachliche Meinung sachlich zu vertreten weiß. Wir halten sogar ehrlichen Antisemitismus für eine sachliche Überzeugung und würden uns nicht scheuen, selbst einen überzeugten Antisemiten bei uns seine Ansichten vortragen zu lassen, wenn wir für ihn oder für uns Nutzen davon erhofften. Darauf eben kommt es an. An Stelle der kläglichen Apologetik, der: „Aufklärung" und Überredung, der Treuegelöbnisse und der Loyalitäts- Versicherungen wünschen wir Unterredung zwischen Gleichen, Verhand-. lung von geistiger (und nur geistiger) Macht zu geistiger Macht, Ausgleich zweier im Entscheidenden nicht zu beugender und zu brechender eigener Herren. Welch grotesker Irrtum, in solchem geplanten Ausgleich Unterwerfung, in dieser Wahrung der inneren Autonomie jedes Teils eine Sanktion heteronomer Moral, und in offener Aussprache zum Ziele der Einigung Annahme fremder Wertung zusehen! Wen der höchst oberflä chliche Vergleich mit anderen jüdischen Stellen, die sich unausgesetzt bei Christen, Mohammedanern und Heiden um Wohlverhaltenszeugnisse, Ia- Zensuren und andere Gesundheitsatteste bemühen, verführte, den hätte schon der Satz: Si duo faciunt idem ... zu denken geben sollen. Besonders wenn eine unschwere Feststellung ohnehin ergeben muß, daß es sich eben nicht um dasselbe, sondern um etwas diametral Verschiedenes handelt. Alle gute Absicht nunmehr zugestanden: wie steht es aber mit dem Erfolg deines deutsch-englisch-französisch-jüdischen Symposions, lieber Gastgeber? Dessen Amt ist zwar nur, die Gäste an einem Tisch zu versammeln und jedem freie Äußerungsmöglichkeit zu geben, nicht aber, ein gutes Ergebnis der Veranstaltung zu garantieren. Trotzdem will er die Frage, ohne eine ihm nicht zukommende Beurteilung des sachlichen Ergebnisses zu wagen, dahin beantworten: Zur Teilnahme wurden und werden Vertreter der deutschen und anderer Geistigkeit aufgefordert, deren Rang, politische Haltung, frü^ here Äußerungen eine fruchtbare Beteiligung erwarten ließen. Es sind nicht alle erschienen, die eingeladen *>5

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