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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 106

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Entgegnung
Date
1925-01-01
Page
106 (sequence 4)
Language
German
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Bemerkungen wurden. Unter denen aber, die kamen (Weltkundige, Führer deutscher und englischer Kultur und Dichtung, Pazifisten, Elsässer, erklärte „Philosemiten" usw.) ist nicht einer, von dem nicht ruhiges, unvoreingenommenes Urteil oder mindestens erwägenswerte Anregung zu erwarten war. Wenn nicht diese, wer sonst hätte zur Teilnahme aufgefordert werden sollen? Viele ihrer Anschauungen über Juden und Judentum mögen falsch oder schief sein — aber es sind eben die Meinungen einer Schicht, von der wir noch am ehesten Verständnis und Objektivität erwarten können. Ist das sachliche Ergebnis also gering oder ganz negativ, so ist es trotzdem für uns von einem außerordentlichen Wert. Es orientiert uns über die Haltung der intellektuellsten Schicht des Volkes, in dessen Mitte und mit dem wir zusammen leben müssen. Wer mehr erwartet hat, mag mit Recht enttäuscht, aber nicht zu Unrecht gegen den sich absichtlich zurückhaltenden Veranstalter aufgebracht sein. Dieser vermeint selbst in Resignation und Verzweiflung über die Möglichkeit einer Verständigung, die sich am Ende bei manchem Leser einstellen können, oder in dem Gefühl der Nichtbefriedigung über den chaotischen Meinungskampf, in dem einfacheren Gemütern oft der Zusammenhang mit dem Grundthema verloren gehen mag, ein positives Ergebnis zu sehen. Mehr als ein Anfang und Anstoß war in keinem Falle geplant. Wen die qualvolle Schwierigkeit der deutschjüdischen Frage und des Problems des jüdischen Weiterlebens in der Zerstreuung noch niemals bedrängt oder wer den Schlüssel zu ihrer Lösung schon gefunden hat, mag die armselige Bescheidenheit solcher Absicht belächeln. Wir anderen werden Rat, Hilfe, Anregung, Freundschaft, aber auch Kritik annehmen, von wem sie komme, wenn sie nur ehrlich, offen und überzeugt ist. Siegmund Kazndson Juden als Soldaten In einer Zeit, in der die Juden sich anschicken, ein Staatswesen zu schaffen, in dem sie eine mindestens ausschlaggebende Rolle spielen werden, wäre es verhängnisvoll, wenn sie sich irgendwelchen Selbsttäuschungen hingeben würden darüber, ob sie tatsächlich die Eigenschaften besitzen, die zur Staatsbildung unbedingt nötig sind. Ich greife aus der Fülle dieser Eigenschaften die umstrittenste heraus, die militärische. Ich schicke dabei von meinem Standpunkt als Pazifist voraus, daß ich hoffe, daß die militärischen Eigenschaften in Zukunft weniger entscheidend für das Schicksal eines Volkes sein werden als in der Vergangenheit. Auf der anderen Seite verkenne ich aber nicht, daß die Menschheit leider noch nicht so weit ist, und daß daher noch lange mit den militärischen Eigenschaften der Völker gerechnet werden muß. Da ich von frühester Jugend ab niemals Antisemit gewesen bin, glaube ich die Frage, ob Juden brauchbare Soldaten sein können, ganz sachlich beantworten zu können. Dabei ist zu bemerken, daß diese Frage durch mancherlei verwickelt wird. Einmal dadurch, daß das jüdische Volk in seiner ältesten Geschichte ein unbedingt kriegerisches Volk war, daß die Juden in der Diaspora aber im allgemeinen zwangsweise vom ständigen Heeresdienst ferngehalten worden sind. Urinstinkte und künstlich geschaffene sind daher nirgends so durcheinander gelagert wie bei den Juden. Dazu kommt als weiter verwickelnd, daß die Ausschließung der Juden von der Offizierlaufbahn gerade in den Ländern, wo diese Laufbahn für besonders ehrenvoll galt 106

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