Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 94

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Gerechtigkeit
Date
1925-01-01
Page
94 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3101111-3101214-3101218-3110423--8073-3110542
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Gustav Krojanker jenseits unseres gesamten Begriffsapparates steht. Und nun soll es sich auf dem Wege der Psychologie als ,,Engramme" im christlichen Menschen auffinden lassen; die Gottesgnade, die einmalig den begnadeten Menschen trifft, soll als Erbmasse im Blute bewahrt sein? Was bewahrt sein könnte und sich auch unabhängig vom persönlichen Bewußtsein innerhalb gewisser Grenzen Geltung verschaffen könnte, ist gerade der Teil der christlichen Religion, auf die Schmitz weniger Wert legt: die christliche Ethik nämlich. Schmitz muß wohl selbst gefühlt haben, daß jene Teilhaberschaft an einer geheimnisvollen Gnade, mit der er gegen uns operiert, auch ihrerseits eine geheimnisvolle, im Leben nicht wirksame ist, und hat sich deshalb vom Bewußtsein dieser heutigen Menschheit abgewandt, um sich pseudo-wissenschaftlich aus den unbewußten und überpersönlichen Seelenschichten seine Belege gegen uns zu holen. An anderer Stelle betont Schmitz selbst, daß „Wandlung'' auch von den Deutschen verlangt werden muß, die das christliche Gnadenerlebnis „vergessen" haben und unter denen das Heidentum wieder bedenklichen Raum gewinnt. Aber wenn das alles so ist und jenes reine Christentum, das den der Gnade unteilhaftigen Juden als unerwünscht empfindet, in Wahrheit so gut wie nicht existiert, kann man sich kaum mit der Erklärung abfinden, daß der deutsch-jüdische Gegensatz, der unser Leben in seiner ganzen Breite durchzieht, auf denUnterschied zweier Heilsstufen zurückzuführen sei. II. Wenn Schmitz den Beweis einer auch nur halbwegs entsprechenden Kongruenz zwischen der Idee und ihren Trägern für das Christentum schuldig geblieben ist, so bringt er in bezug auf die Juden wenigstens ein wesentlich ergiebigeres Beweismaterial zusammen. „Die Juden glauben an einen im Sinne menschlichen Verstehens gerechten Gott und daher auch an die Möglichkeit einer gerechten Weltordnung." Seit sie die Thora verloren haben, glaubt „jeder einzelne aus seiner Eingebung zu wissen, welches Gesetz für die Menschheit das beste sei." Und so ist der Jude „zum lebensfeindlichen Fanatiker utopischer Theorien" geworden, so entstand „der jüdische Liberalismus, der Marxismus, der Bolschewismus und jenes traurige Heldentum der Revolution ..." Man könnte nun in den Nachweis eintreten, daß alle diese Dinge mit der jüdischen Religion und der aus ihr offenbar hergeleiteten Wesensart jüdischer Menschen, wenn überhaupt, dann nur sehr mittelbar zu tun haben. Es gibt zwei Wege für dies Verfahren. Der eine würde zeigen, daß keineswegs angeborene Veranlagung die Juden in Deutschland überall in die Opposition 94

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.