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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 92

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Gerechtigkeit
Date
1925-01-01
Page
92 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Gustav Krojanker schrieben.) Zweites Stockwerk: Dieser so festgelegte Unterschied der historischen Religion äußert sich heute in der unverlierbaren Kindschaft freier, heiterer, heldischer Menschen im Gegensatz zu dem leerlaufenden Pharisäertum theoretisierender Gerechtigkeitsfanatiker. Dieser Gegensatz erklärt und rechtfertigt die deutsche Ablehnung der Juden. (Rassentheorie: Alle Tatsachen des heutigen Daseins werden solange zurechtgebogen, bis sie in das Schema Lichtbringer — Schmarotzer passen.) Drittes Stockwerk: Die Juden brauchen aber nur ihren psychologischen Widerstand gegen das christliche Gnadenerlebnis aufzugeben, um als vollgültig aufgenommen zu werden. (In diesem .versöhnlichen Abschluß liegt der einzige Unterschied zur Rassentheorie.) Wenn hier wirklich entscheidend zur Debatte stünde, welche Ideen in Wahrheit das Wesen des Christentums und welche das Wesen des Judentums ausmachen; wenn es darauf ankäme, mit fachmännischer Kompetenz in detaillierte Erörterungen religionshistorischer und philosophischer — Art einzutreten, so hätte ich als inkompetent zu schweigenx). Es handelt sich aber um den deutschjüdischen Gegensatz, wenn er auch hier auf den christlich-jüdischen zurückgeführt wird, und es handelt sich keineswegs um Historie, sondern um Menschen von heute. Es kommt deshalb in unserem Zusammenhang gar nicht sehr darauf an, aus Geschichte und Dogmen zu Ableitungen von wesentlich theoretischer Bedeutsamkeit zu gelangen. Schmitz könnte mit der Abgrenzung, die er zwischen den beiden Religionen vornimmt, recht haben, ohne daß deshalb eine der Schlußfolgerungen, die er daraus zieht, größeres Gewicht haben würde. Jedenfalls genügt es hier, zu erinnern, daß von autoritativer Seite für das Judentum die höhere Ebene des Gnadenbegriffs ebenso wie die tiefere der Gerechtigkeit in Anspruch genommen, während umgekehrt dem Christentum der mangelnde Begriff jener Gerechtigkeit, die im Alltag und auf Erden das Nötige tut, zum Vorwurf gemacht wird. Es kann aber gezeigt werden, daß die ganze Voraussetzung für das eigentliche Problem — den deutsch-jüdischen Gegensatz von heute — von nicht ausschlaggebender Bedeutung ist. Die reine Idee einer Religion nämlich interessiert wenig, wenn nicht gleichzeitig der überzeugende Nachweis geführt wird, daß das Leben ihrer Träger sie verwirklicht oder doch wenigstens zu verwirklichen versucht. In bezug auf die Christen bleibt Schmitz uns diesen Nachweis schuldig. Angesichts der Wirklichkeit, in der wir leben, wäre es auch eine recht schwere und undankbare J) Das nächste Heft des ,, Juden4' wird voraussichtlich ganz dem Thema Christentum — Judentum gewidmet sein. — Die Redaktion. 92

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