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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Der jüdisch-christliche Komplex
Date
1925-01-01
Page
86 (sequence 19)
Language
German
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Oscar A. H. Schmit: es ehedem besser gewußt, als solcher „jüdischer Geist". Sie brauchen ja nur den höchsten Wert, den sie in Jesus von Nazareth hervorgebracht haben, von dem Gojim wieder zu empfangen, und dem unerwünschten jüdischen Geist" ist jede Voraussetzung genommen. Weil sie ihren wahren Heiland verkannt haben, kann z. B. Krojanker von den jüdischen „Heilanden" sprechen, welche die Shylocks kompensierten. Nun, was den jüdischen Shylocks ihr besonderes Gepräge gegenüber Bösewichtern anderer Rassen gibt, gerade das kommt nicht auf Rechnung des Blutes, sondern des äußeren Rasseschicksals. Heilande gibt es aber überhaupt nicht mehr. Selbst einen Hl. Franziskus haben die Christen niemals einen Heiland genannt. Das Verkennen des wahren Heilands hat jene Wertverwirrung im jüdischen Geist angerichtet, der ihn fähig macht, nicht nur irgendwelche, besonders fromme und erhabene Gestalten, als Heilande, das ist „Bringer des Lichtes" zu bezeichnen, sondern allen Ernstes Menschen wie Marx, Lassalle und Landauer. Aus demselben Grund wird der, welcher das wirkliche Evangelium der westlichen Menschheit verkennt, ob Jude oder Arier, sich immer aufgeregt auf neue soziale oder sonstige, etwa Kunsttheorien stürzen und sie zu Evangelien, d. h. himmlischen Botschaften stempeln, wodurch alle in ihrer Relativität berechtigten, ja erwünschten Lebenserscheinungen wie z.B. künstlerische Erneuerung, soziale oder Frauenbewegung sofort fanatisch verzerrt und im Keim vergiftet werden. Das ist die Ursache des heutigen Kampfes aller gegen alle im Namen von Theorien und Programmen, denen wohl lebendige Regungen zugrunde liegen, die sich aber unter dem Gestrüpp von dialektischen Lehrsätzen in Gift zersetzen. Das alles bezeichnet ein Zeitalter, in dem vielen die objektiven Gesetze und Symbole nichts mehr sagen, ohne daß sie schon zur Erhebung der Werte auf die Subjektstufe fähig würden. So fallen sie auf vorchristliche Stufen zurück: als Theoretiker und Utopisten, welche die Welt durch äußere Gesetze bessern wollen, auf die Stufe des Pharisäertums, als gesetzlose Genießer in ein Heidentum, wie es Gerhart Hauptmann kindlich im „Ketzer von Soana" zu verklären sucht, während sich im subjektiven Gnadenerlebnis inneres Gesetz als Rhythmus und Weltfreude in neuer Unschuld einen. Das Erlebnis gnadevoller Geborgenheit im Kosmos trotz Leid, Sünde und Irrtum ist ein Ferment, das keinerlei heidnische Lebensregung der Lust, ja der Macht an sich asketisch ausschließt, aber alles Vereinzelte mit einem Geschmack des Heils durchdringt und dadurch das Getrennte, ja Gegensätzliche in einen kosmischen Rhythmus bindet. 86

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