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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 84

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Der jüdisch-christliche Komplex
Date
1925-01-01
Page
84 (sequence 17)
Language
German
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Oscar A. H. Schmitz Heiligen Geistes keine Kirchen mehr, und dennoch kann es sich heute nicht um Kampf gegen die Kirchen handeln. Kein Kind ist erziehbar ohne das äußere „Du sollst" des Gesetzes, kein jugendliches Lehen ist denkbar ohne objektive Gestalt und Symbolik. Ist auch die Aufgabe der nächsten tausend Jahre, den Menschen frei von objektiver Gesetzlichkeit und Symbolik auf die Subjektstufe zu führen, so steht doch die unbewußte Masse noch auf der kindlichen des Gesetzes, die bereits erwachende Minderheit meist noch auf der jünglinghaften Symbolstufe. Ihnen müssen, natürlich ohne jeden Zwang, die Kirchen als Zufluchtsstätten offen stehen. Auf der Subjektstufe des inneren Erlebens wird die jüdische Erfüllung mit der christlichen zusammentreffen, denn nicht durch die objektive Kirche, wohl aber durch das christliche Erlebnis, das ist das Reich des Sohnes, der Kindschaft, der Passion, die über die Gerechtigkeit, der Gnade, die über das Gesetz erhebt, muß auch der sich erfüllende Jude hindurchgehen, um in der Gemeinschaft des Geistes dem Christen die Bruderband reichen zu können. Aus dem Judentum, dessen letzte, mächtigste Phase der gnadenlose, stoffgebannte, rabulistische Marxismus ist, kann Rückfällen in heidnische Hybris nicht mehr mit Erfolg begegnet werden, vielmehr wird sie durch jenen nur aufgestachelt und zu Gegenargumenten ermutigt; nur aus christlicher Wandlung heraus ist in Europa wahrer Fortschritt und Freiheit möglich, und diese Wandlung wird auch den deutschen Heiden, die das christliche Erlebnis nur vergessen (verdrängt) haben, leichter werden, wenn man sie nicht auf die objektive Kirche zu verpflichten sucht, sondern ihnen das Erlebnis auf der Subjektivstufe zeigt. Weil er im Geist christlich ist, war der englische unmarxistische Sozialismus so erfolgreich, nicht nur im Erreichen wirtschaftlicher Verbesserungen, sondern geradezu in der Bekehrung der höheren Klassen zu seinen Gründen. Dies konnte man jetzt wieder erkennen an dem menschlichen Ton, in dem englische Minister, ja die Rechtspresse, die marxistische Verirrung des Generalstreiks nach dessen Niederlage beurteilten. Sie hielten genau auseinander, was dieser Verirrung, was berechtigtem Anspruch entstammte. Das ist letztlich christlicher Geist. Bei uns aber tobt der soziale Kampf zwischen marxistischem Ressentiment und heidnischer Hybris, die ihren Haß gegenseitig zur Weißglut schüren. Nicht aus dem jüdischen Anspruch auf Gerechtigkeit, die jeder anders verstehen muß, sondern aus dem christlichen auf Menschenliebe, die jede Lage verbessert, ist die soziale Frage zu lösen. Zu 84

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