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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Der jüdisch-christliche Komplex
Date
1925-01-01
Page
74 (sequence 7)
Language
German
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Oscar A. H. Schmitz vor? Zunächst eine Herrenkaste nicht ohne Großartigkeit in Einzeltypen und als Gesamtheit, in der heidnisches Bluterbe und christliches Bekenntnis nicht die überzeugende Synthese zwischen Ich und Mitmensch eingegangen waren, wie sie der Gentleman im tiefsten Sinn darstellt. Wohl ist auch in einem Bismarck die christliche Demut zu spüren, aber sie lebt in einem anderen Stockwerk der Seele, als der Machtwille. Sie bilden keine Einheit wie in dem menschlich höher differenzierten Disraeli. Nun ist der uralte Beruf des Judentums die Überwindung des Heidnischen, und das machte es, ganz abgesehen von aller Revolution, zu geborenen Gegnern der preußischen Herrenkaste, während mit der englischen Verständigung möglich war. Die Juden haben selbst aus einem tiefen Rasseinstinkt — Rasse meint immer Aristokratie — das aristokratische Prinzip verstanden, daß jede Hochzucht Absonderung zur ersten Bedingung hat. Nur ein auserwähltes Volk mit exklusivem Gesetz vermochte sich über das Heidentum so hoch zu erheben, daß es der Träger des Christus werden konnte. Nun aber hat es diesen nicht erkannt und daher das umwälzendste innere Erlebnis der westlichen Menschheit bewußt abgelehnt. (Unbewußt konnte es sich ihm freilich nicht entziehen.) Darin liegt natürlich nicht, wie Krojanker befürchtet, der Vorwurf ,,eines unfreundlichen Willensaktes", durch diese Haltung aber sind die Juden in jener eigentümlichen Mittelstellung verharrt, die sie zwar an ethischem Gewissen hoch über alles Heidnische hebt, aber dem christlichen Wertekreis gegenüber ins Hintertreffen brachte. Sie kommen über jenes edle, von Buber in seinem Aufsatz gezeichnete Pharisäertum nicht hinaus, auf dessen Schultern Christus wohl stehen mag, das er selbst aber überwunden hat. Aus dem Judentum und seiner Gesetzesethik ist daher heute heidnische Hybris nicht mehr zu bekämpfen, wohl aber aus dem christlichen Geist. Darum ist die jüdische Einstellung gegen undifferenziert heidnisches Herrentum im Instinkt richtig, aber in den Mitteln rein negativ, unfruchtbar, ja substanzzerstörend. Ich will hier weder auf Glaubensfragen eingehen, noch glaube ich mit Blüher an einen Fluch, der auf dem Volk der Christustöter liegt. Es handelt sich rein psychologisch um das christliche Erlebnis, das die Juden bei aller neuerlichen Hochschätzung Jesu nicht durchmachen, das aber jeder einzelne, wenn er erkennt, um was es sich handelt, im Inneren nachholen kann. Es geht dabei nicht um die Anerkennung der christlichen Ethik, woran es der einsichtige Jude nicht fehlen läßt, stammt doch ihr Hauptgebot, 74

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