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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 70

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Der jüdisch-christliche Komplex
Date
1925-01-01
Page
70 (sequence 3)
Language
German
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Oscar A. H. Schmitz Reisen schreibe, steht mir zur Zeit der Band nicht zur Verfügung. Die Stelle ist aber in der Erzählung des pompejanischen Kriegszugs nach Palästina schnell zu finden. Ehe ich nun zu dem oben in Aussicht gestellten Hauptpunkt übergehe, bei welchen ich des öfteren auf die Buberschen Ausführungen zurückkommen muß, will ich mich erst der Polemik Krojankers zuwenden. Krojanker und ich könnten ganz einig sein, wenn er sehen wollte, daß er im wesentlichen mit anderen Worten dasselbe sagt wie ich. Er wirft mir vor, daß ich überhaupt von wünschenswerten und nicht wünschenswerten Juden spreche, aber tut er nicht dasselbe, wenn er von einem sich innerlich erfüllenden und bestimmenden Judentum spricht, dem jene wurzellosen Typen mit verwässerter Ethik und verflüchtigter Religion gegenüber stehen? Diese erscheinen Herrn Krojanker offenbar ebenso unerwünscht wie mir. Es ist vollkommen berechtigt und wünschenswert, daß er sie zu jenem erfüllten Judentum zurückgewinnen möchte. Die Frage bleibt nur, was mit jenen geschehen soll, die das nicht wollen. Von ihm als Juden ist nicht zu verlangen, daß er meinem Vorschlag zujubelt, solche Juden, deren Judentum doch keinen Inhalt mehr hat, möchten wenigstens für ihre Kinder das Problem dadurch aus der Welt schaffen, daß sie sie einfach taufen lassen, so wie ja auch ungläubige Arier mit ihren Kindern tun. Vom politisch-gesellschaftlichen Standpunkt aus kommt es allein darauf an, die Zahl der entwurzelten d. h. unerwünschten Juden möglichst zu verringern, und darin ist der Forderer eines sich erfüllenden Judentums mit dem arisch-christlichen Wirtsvolk einig. Wie gesagt, ich verstehe, daß dem sich erfüllenden Juden mein Vorschlag nicht sympathisch ist, weil die getauften Judenkinder dem sich erfüllenden Judentum endgültig verloren gehen, aber was Krojanker dagegen vorbringt, ist nicht ganz zutreffend. Der ,,durch die Taufe maskierte Jude" wird nicht ,,genau so ungern gesehen'' und erweckt nicht ,,noch größeres Mißtrauen" als der ungetaufte. Natürlich ist gegen den rabiaten Rassenantisemitismus kein Kraut gewachsen, als die Verachtung, aber der ihm anhängende Bruchteil der Bevölkerung ist nicht groß. Für den Christen kann die Taufe gar keine Maske bedeuten, denn sie ist nicht einer bestimmten Rasse vorbehalten. Mag ein erwachsener Konvertit, dessen Persönlichkeit gar zu wenig zu seinem Schritt paßt, Mißtrauen und noch mehr Lächeln erwecken, ein getauftes Kind ist durch das Sakrament in die Gemeinschaft aufgenommen, und was das tatsächlich bedeutet, wird nachher zu erörtern sein. In der österreichischen Aristokratie, so wie im 70

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