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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 69

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Der jüdisch-christliche Komplex
Date
1925-01-01
Page
69 (sequence 2)
Language
German
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Der jüdisch-christliche Komplex ist als solcher ohne Ansehen seines persönlichen Charakters eo ipso schuldig und verdammt, und, wer an dieser Einstellung zweifelt, der blicke nach Moskau, wo ein Pharisäertum sondergleichen, das sich allein die Auslegung der Marxschen Thora vorbehält, Widerstrebende nicht nur selbstgerecht einzeln verurteilt, sondern als Klasse ausrottet. Ich werde nachher auf die pharisäische Mentalität des Marxismus noch zurückkommen. Natürlich besteht Bubers Verteidigung des Pharisäertums, als einer ursprünglich hochwertigen, nicht zu Christus in eigentlichem inneren Gegensatz stehenden Gruppe zu Recht. In ähnlicher Weise kann man die Jesuiten, ja die Sophisten verteidigen. Nichts desto weniger weiß jeder, was unter jesuitisch, sophistisch und pharisäisch im entwertenden Sinn gemeint ist, unter pharisäisch jene selbstgerechte Demutlosigkeit, die allein weiß, was gut und böse ist, der gegenüber Christus die schlechte Gesellschaft der Zöllner bevorzugte. Trotz Hillel und Gamaliel muß diese Haltung für die Pharisäer um Christi Zeit charakteristisch gewesen sein, während, wie Buber hervorhebt, Christus selbst der alten pharisäischen Frömmigkeit nahe verwandt war, so wie etwa Sokrates den von ihm bekämpften Sophisten. Ich soll ferner das genaue Gegenteil der Wahrheit gesagt haben mit der Behauptung, der Pharisäer sorge dafür, daß möglichst nichts, auch der Messias nicht Gestalt annehme. Freilich tut das der Pharisäer nicht bewußt, er meint vielmehr ehrlich, genau wie der moderne jüdische Revolutionär, Gestalten heiße: dem Fluß des Lebens, statt ihn einzudeichen, gewaltsam im Namen des Gesetzes oder der Theorie den Lauf vorschreiben und alle Lebensregung verdammen, die dem engen Programm widerspricht. Vom Gesetz aus muß der Messias verkannt werden, denn empirisch ist er zunächst einer in der Gemeinde, der anders und neu ist. Um ihn zu erkennen, muß man unbefangen zu der Wirklichkeit stehen. Dagegen mit Buber Paulus als einen Pharisäer anführen, der den Messias erkannt habe, das ist nichts weniger als ein Bekenntnis zum christlichen Erlebnis, womit, wie ich später zeigen werde, der jüdischchristliche Komplex tatsächlich gelöst ist, falls das intellektuelle Bekenntnis auch wirklich zum Erlebnis wurde. Auf Bubers zweifelnde Frage, woher ich die Kunde hätte, daß die Pharisäer dem Pompejus das unabhängige jüdische Königtum der Hasmonäer zur Vernichtung empfahlen, kann ich auf Mommsens dritten Band hinweisen. Da ich, um den Erscheinungstermin dieses Heftes einzuhalten, diese Arbeit auf 69

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