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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 56

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Das alte und das neue Judentum
Date
1925-01-01
Page
56 (sequence 25)
Language
German
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Simon Dubnow sozialer Ideale und anderer typischer Eigentümlichkeiten ihrer Entwicklung zusammengeschlossen haben. 2. Einer Nation, die in der Vergangenheit durch die erwähnten Entwicklungsphasen hindurchgegangen ist, die gemeinsame Ideale, Emotionen und Interessen in der Gegenwart besitzt und ein Streben nach selbständiger Entwicklung in der Zukunft bekundet, muß die Autonomie in der einen oder anderen Form, sei es eine politische, territoriale oder kulturelle Autonomie, je nach ihrer Lage innerhalb der Völkerfamilie, zuerkannt werden. 3. Das Selbstbewußtsein der Nation ist das Hauptkriterium ihrer Existenz. ,,Ich empfinde mich als Nation, folglich existiere ich," das ist die Formel einer kultur-historischen Nation. Konkret äußert sich dieses Selbstbewußtsein in der Anspannung des nationalen Willens, der auf die Erhaltung und Entwicklung der Autonomie in der einen oder anderen der oben erwähnten Formen gerichtet ist. Mangelt es einem Volke an der äußeren Schutzwehr des Staates oder des Territoriums, so nimmt die Intensität seiner inneren Schutzmittel in dem gleichen Maße bei ihm zu, und die Volksenergie richtet sich auf die Festigung der verbindenden sozialen und geistigen Faktoren als Mittel im Kampfe um die nationale Existenz. 4. Die jüdische Nation, die all diesen Bedingungen entspricht, stellt den höchsten Typus einer kulturhistorischen oder geistigen Nation dar. Die ungewöhnlich lange und eigenartige geschichtliche Entwicklung stählte diese Nation und machte sie lebensfähig trotz des Mangels politischer und territorialer Einheit. Diese Nation wird ihr selbständiges Dasein auch weiterhin fortsetzen können, wenn sie ihre nationale Energie in der bisherigen Weise, wenn auch in anderen, der modernen Kultur mehr entsprechenden Formen nach wie vor anspannen wird. 5. Tatsächlich existiert denn auch das Judentum als geistigkulturelle Nation im Bewußtsein der Volksmehrheit, und zwar der altorthodoxen Masse, die die Idee einer ,,Religions- Nation" anerkennt, da sie ja die ganze nationale Kultur auf das religiöse Element, das jahrhundertelang vorherrschte, zurückführt. Die unvermeidliche Verweltlichung der nationalen Idee wird indessen dieses einseitige Selbstbewußtsein nach und nach in ein umfassendes, das religiös-traditionelle in ein historisch-evolutionäres Bewußtsein verwandeln. .Die Leugnung der jüdischen Nationalität durch die Anhänger der Theorie der „Religions- Gruppe" (,,Das Judentum ist nur ein konfessioneller Teil anderer Nationen"), wurzelt aber in der Assimilation, also in dem Streben eines Teiles der Judenheit, in den umgebenden herrschenden Völkern 56

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