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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 57

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Das alte und das neue Judentum
Date
1925-01-01
Page
57 (sequence 26)
Language
German
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Das alte und das neue Judentum aufzugehen, und ist eine Erscheinung der Auslese oder des Abfalls national schwacher Elemente. 6. Der Judaismus als Produkt einer sich unaufhörlich entwickelnden nationalen Kultur erscheint dem modernen Menschen nicht als ein traditioneller, sondern als ein evolutionärer Ideenkomplex. Die Lossagung von diesem Prinzip durch einen Übertritt zu einer anderen Religion bedeutet tatsächlich den Austritt aus dem jüdischen Nationalverband. 7. In ethischer Beziehung muß der jüdische Nationalismus als die reine Form des nationalen Individualismus anerkannt werden, der mit dem aggressiven nationalen Egoismus nichts zu tun hat. — — In den weiteren Kapiteln werden alle hier theoretisch begründeten Thesen auf Grund der Tatsachen der Vergangenheit und der Gegenwart ausführlich entwickelt und bis in ihre praktischen Konsequenzen verfolgt werden. F. BERNSTEIN Soziologie i>es 99ui> enl> äff es1) (Der Feindschaftsursprung) Woher stammen Feindschaften überhaupt? Wie schwierig diese Frage zu beantworten ist, erhellt am besten daraus, daß im konkreten Feindschaftsfall die Ursache mit mühelosester Bestimmtheit angegeben wird, während sich die Denker der Menschheit seit Urzeiten bis heute, demnach also mit unzureichendem Resultat, bemüht haben, in abstracto zu erklären, was im Einzelfall so begreiflich und im ganzen so sinnlos x) Unter dem Titel „Der Antisemitismus als Gruppenerscheinung. Versuch einer Soziologie des Judenhasses" erscheint von einem holländischen Autor, F. Bernstein, soeben im Jüdischen Verlag, Berlin, ein Buch, von dem gesagt werden darf, daß es zu den vielen Publikationen über das Wesen des Antisemitismus nicht eine beliebige neue reiht, sondern eine wirklich erschöpfende und über die bisherigen Deutungsversuche hinausgehende Erklärung gibt. Wenn der Antisemitismus bislang als eine Feindschaft beschrieben wurde, wie sie sich regelmäßig gegen ethnische Minderheitsgruppen zu richten pflegt, so war das insofern unzureichend, als diese Feindschaft aus der Darstellung historischer Fakten abgeleitet wurde, ohne sie in ihren letzten Gründen erklären zu wollen oder zu können. Während man also die Judenfeindschaft bisher in Spannungserscheinungen, wie sie zwischen Volksgruppen zu bestehen pflegen, eingereiht und damit zur Klärung dieser verworrenen Frage zweifellos viel beigetragen hat, geht Bernstein weiter, indem er Wesen und Entstehung dieser 57

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