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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 47

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Das alte und das neue Judentum
Date
1925-01-01
Page
47 (sequence 16)
Language
German
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Das alte und das neue Judentum nalen Idee beginnen, der neuerdings sich innerhalb eines beträchtlichen Teils unserer freidenkenden Öffentlichkeit vollzieht, — innerhalb eines beträchtlichen Teiles, lange nicht aber in unserer ganzen Gemeinschaft, wie wir gleich sehen werden. Während die Alt-Orthodoxen sich der jüdischen Religionsnation zuzählen und kraft der Autorität der Religion den Gedanken der Verschmelzung dieser Nation mit anderen weit von sich weisen, erblickt die assimilierte Intelligenz (sowohl die Freidenker als auch die Neo-Orthodoxie des Westens) im jüdischen Volke nur eine Religions g r u p p e inmitten anderer Nationen, einen synagogalen Verband, der seine Mitglieder durch keinerlei nationale Disziplin bindet. Nach dieser Theorie kann der Jude einer der Nationen seiner Umgebung angehören, indem er gleichzeitig ein Mitglied des Verbandes seiner ,,Glaubensgenossen" verbleibt. Er kann beispielsweise ein Deutscher jüdischen Glaubens sein, ebenso wie es evangelische oder katholische Deutsche gibt. Eine richtige Schlußfolgerung daraus wäre, den religiös freidenkenden oder vollkommen ungläubigen Juden als aus dem ,,Verbände der Glaubensgenossen" ausgetreten anzusehen; allein diese Schlußfolgerung, die fast die gesamte jüdische Intelligenz mit Exkommunikation bedrohen würde, wird gewöhnlich vertuscht, um nicht die letzte Grundlage der jüdischen ,,Einheit" zu unterwühlen und die ganze Theorie ad absurdum zu führen. In dem folgenden Kapitel werde ich bei der Charakteristik dieser noch vor kurzem vorherrschenden, heute aber infolge der ihr zugefügten Schläge schon lahmgelegten Theorie länger verweilen. Hier will ich nur darauf hinweisen, daß sie sowohl der traditionsgemäßen Vorstellung von der ewigen Religionsnation, als auch der wissenschaftlichen Ansicht von der unauflösbaren geistig-kulturellen Nation widerspricht. Jene Theorie beruht denn auch weder auf einer religiösen noch auf einer wissenschaftlichen Schlußfolgerung, sondern ist das Hirngespinst von naiven Ideologen oder von eigennützigen Praktikern, die durch eine erkünstelte Doktrin ihren Wunsch rechtfertigen wollen, sich an die äußere Umgebung anzupassen und aus dieser Anpassung den größtmöglichen Vorteil für sich und ihre Nachkommen zu ziehen. Darin äußert sich eben das Gesetz der natürlichen Auslese durch Ausscheidung national schwacher Elemente, die dem Drucke der Umgebung nicht standzuhalten vermögen. Das natürliche Streben, die jüdische Nationalidee zu verweltlichen, kann aber zu einem anderen Extrem führen. Behaupten die Alt-Orthodoxen: „Der jüdische Glaube ist die einzige Grundlage unserer Nationalität", so können die Freidenker sagen: „Der jüdische Glaube ist durchaus keine notwendige Existenz- 47

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