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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Das alte und das neue Judentum
Date
1925-01-01
Page
40 (sequence 9)
Language
German
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Simon Dubnow judäa zeitweise auch die politische Selbständigkeit zurück und rief den Staat der Hasmonäer ins Leben. Hierauf begann wieder, diesmal aber schon im Schöße der Volksmassen, der Wettstreit zweier Prinzipien: der politischen und der geistigen Nation. Die Sadduzäer verfochten den üblichen Typus eines Militär Staates, die Pharisäer die Vorherrschaft des geistigen Elements im Staate. Die eiserne Hand Roms verhalf dem pharisäischen Prinzip der Nomokratie, der Herrschaft des Gesetzes zum Siege. Auf den langen politischen Widerstand der Nation, der aber nicht zum Ziele führte, folgte nun ein geistiger Kampf, der von Erfolg gekrönt wurde. Der zweite Zusammenbruch Judäas zog auch nicht den Zusammenbruch der jüdischen Nation nach sich: der Stamm des niedergeworfenen und zerstreuten Volkes blieb in seiner Heimat, im römischen Palästina, errichtete hier ein sozial-geistiges autonomes Zentrum (die Periode des Patriarchats) und nährte mit seinen Säften sogar die weit hinausreichenden Zweige der Diaspora (die palästinensische Hegemonie). Allein die Geschichte unterzog das Volk einer neuen schwierigen Prüfung hinsichtlich seiner nationalen Reife. Bisher bestanden Palästina und die Diaspora nebeneinander; vom Beginn des Mittelalters an bleibt die Diaspora ohne die Hegemonie Palästinas. Das heimatliche Zentrum wird zu einem kaum sichtbaren geographischen Punkt auf der Karte der drei Weltteile, über die die Judenheit verstreut ist. Die staatenlose Nation wird immer mehr auch zu einer landlosen Nation. Der Strom der großen Völkerwanderung, die politischen Eroberungen des Islam im Osten und des Christentums im Westen zersplittern und zerstreuen die jüdische Diaspora immer mehr. Kann dieser geographisch zersplitterte nationale Organismus sich überhaupt noch am Leben erhalten? Die Geschichte antwortet mit einem gebieterischen ,,Jau und setzt ihr Werk fort. Es beginnt die Periode der Hegemonie-Zentren in der Diaspora selbst. An den Orten größerer Anhäufung jüdischer Massen bilden sich Akkumulationszentren der national-geistigen Energie, Reservoire lebendiger kultureller Kräfte, und zu diesen Zentren tendieren die kleineren Teile der Diaspora. So entstanden und entwickelten sich die großen jüdischen Hegemonien Babyloniens (V. bis X. Jahrhundert), Frankreich und Spaniens (XL—XV. Jahrh.), Deutschlands und Polens (XVI. —XVIII. Jahrh.). In jedem dieser Zentren wirken autonome örtliche und zentrale Organisationen, die das öffentliche und das geistige Leben des Volkes regeln: das Exilarchat und Gaonat in Babylonien, die Gemeinderäte (Aljama) und die Rabbinergerichte in Spanien, die Kehilloth und deren Verbände mit den jüdischen Sejms oder „Waadim" in Polen und 40

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