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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 35

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Das alte und das neue Judentum
Date
1925-01-01
Page
35 (sequence 4)
Language
German
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Das alte und das neue Judentum Überlieferungen dieser Taten bilden eine der Grundlagen des ursprünglichen geschichtlichen Bewußtseins 1). Der territorial-politische Typus der Nation kommt in verschiedenen Formen zum Ausdruck, die durch den Stand der Zivilisation des Volkes wie auch durch den Grad seiner politischen Selbständigkeit bedingt sind. Infolge des geschichtlichen Prozesses der Aufsaugung kleiner Staaten durch große büßen nämlich besiegte Völker mit einem schwach entwickelten national-kulturellen Typus ihre Eigentümlichkeiten ganz oder teilweise ein und verschmelzen mit Völkern von einem ausgeprägteren Typus; Nationen hingegen, die in geistiger oder kultureller Beziehung stärker sind, behaupten ihre innere Selbständigkeit selbst bei politischer Abhängigkeit, und zwar auf dem Wege der Autonomie, d.h. durch Organisation einer eigenen Selbstverwaltung, die ihren geschichtlichen Überlieferungen und inneren Bedürfnissen entspricht. Aber auch die Herrschervölker sind einer Gefahr ausgesetzt, die namentlich von der Überwucherung des Politischen her droht: sie bilden durch Eroberungen und territoriale Einverleibungen neue Staaten aus einem Konglomerat einander fremder oder gar feindlich gesinnter Völker. Von inneren Konflikten zerrissen, zerfallen solche „Weltmonarchien" und reißen auch die Herrschernation (Assyrien, Babylonien, Persien, das alte Rom) mit sich in den Abgrund. Oft geht eine politisch mächtige Herrschernation gerade infolge des Übergewichts der Staatsidee über die der geistigen Kultur zugrunde; nach einem mehr oder weniger lange andauernden sozialen und moralischen Verfall löst sie sich in dem Strome junger und lebensfähiger Nationen auf, die Keime einer gesunden Kultur in sich tragen. So erscheint letzten Endes als der für das Schicksal einer Nation entscheidende Faktor nicht ihre äußere Macht, sondern die geistige Kraft, der Gehalt ihrer Kultur und der innere Zusammenschluß ihrer Glieder. Dem politischen oder sozialen Entwicklungsstadium der Nation entspricht eine bei weitem höhere und mannigfaltigere Kultur als dem ursprünglichen Rassenstadium. Das Wachstum der materiellen Kultur ist in diesem späteren Stadium eng mit dem Wachstum des geistigen Schaffens verbunden. Das soziale Leben bereichert den einzelnen durch Emotionen und Ideen 1) Dem im Texte dargelegten Entwicklungsschema der nationalen Typen kommt am nächsten die von Alfred Fouillee in seinen „Esquisse psychologique des peuples europeens" (Paris 1914) aufgestellte Lehre von den drei „großen Faktoren", die sowohl für die physische als auch für die psychische Struktur der Völker maßgebend sind. Diese Faktoren sind nach Fouillde: 1. Die Vererbung, die das Rassenelement bildet, 2. die Anpassung an die physische Umwelt, 3. die Anpassung an das soziale Milieu. 3 35

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