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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 34

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Das alte und das neue Judentum
Date
1925-01-01
Page
34 (sequence 3)
Language
German
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Simon Dubnow Allein schon in diesem Entwicklungsstadium tritt der Einfluß der materiellen Kultur in Wettbewerb mit dem Einfluß der Natur. Die Einwirkung der Natur auf den Menschen wird allmählich durch die ihr entgegengesetzte Einwirkung des Menschen auf die Natur gemildert. Die Kultur schwächt den unmittelbaren Einfluß des Bodens und des Klimas ab und verwischt zum Teil auch die hervorstechendsten Eigentümlichkeiten des Rassentypus; später wirken in derselben Richtung Wanderungen, Mischehen u. dgl. mehr. Als Resultat der komplizierteren Wechselwirkung von Mensch und Natur erzeugt das kulturelle Stadium auch eine kompliziertere Eigenart. Indem der Volksstamm sich an die physische Umgebung und gleichzeitig diese an seine eigenen Bedürfnisse anpaßt, schafft er die wirtschaftlichen Grundlagen seines Lebens in verschiedenen Formen der Zusammenarbeit: der erste Keim des sozialen Lebens. Mit den bestimmten Methoden des Kampfes ums Dasein entstehen auch gleichförmige Gewohnheiten und Neigungen, Anschauungen und Glaubensformen bei den Mitgliedern der betreffenden Stammgruppe. Die gemeinsame Sprache erscheint als eines der wichtigsten Verkehrsmittel der Mitglieder der Gruppe untereinander und als Mittel der Trennung von den Fremdstämmigen. Es bahnt sich die Entwicklung von der materiellen Kultur zur geistigen an. So entsteht über dem physischen oder Rassensubstrat der Nationalität eine primitive Kultur schicht. Die Entwicklung des sozialen Lebens als Resultat der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der anderen Formen des menschlichen Verkehrs erzeugt nun ihrerseits weiterhin die Notwendigkeit einer ständigen verbindenden Organisation in der Form eines bürgerlichen oder eines staatlichen Verbands. Das Territorium, das früher nur ein physischer Faktor gewesen ist, wird nunmehr zu einem politischen Faktor des Zusammenschlusses der Nation. Die organisierte Staatsgewalt ordnet das ganze Land einer mehr oder weniger einheitlichen Verwaltung unter und beschützt die Landesgrenzen vor dem Einfall der Fremden. Das politische Leben erzieht die Nation in einem bestimmten Geiste. Die öffentliche Disziplin, die fest umrissenen Rechte und Pflichten der Bürger (die zumindest innerhalb der einzelnen Stände und der sozialen Klassen gleich sind), die Absperrung des Staates gegen die anderen — all das gibt den Mitgliedern der politischen Einheit zahlreiche neue Interessen, Neigungen und Bestrebungen. Als verbindende Kraft erscheint die Idee des Vaterlandes, seines Schutzes und seiner Machtentfaltung. Patriotische Heldentaten erheben den Geist des Volkes, die in den Annalen verewigten 34

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