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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 30

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Zionismus und Rücksicht auf deutsches oder anderes Nationalgefühl
Date
1925-01-01
Page
30 (sequence 6)
Language
German
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Max Herzog zu Sachsen Teilstamme gehören, und ein höheres, dem ersteren übergeordnetes, allgemeineres, als Glieder des Staatsvolkes. Die Wenden haben sich z. B. in der Lausitz erhalten, und besitzen noch heute ihre Sprache und gewisse alte Gebräuche. Wer gerecht sein will, wird ihnen voll und ganz das Recht zugestehen, all diese Güter mit Eifer und Treue zu pflegen. Und doch wird man voraussetzen, daß sie sich zugleich als Deutsche, nicht bloß als Staatsbürger fühlen, und dementsprechend handeln. Wird diese Frage von den Angehörigen der Minorität, sowie von denen der Volksmajorität und von den Vertretern des Staates auf die richtige Weise behandelt, so besteht kein Widerspruch, und braucht es keine Konflikte zu geben. Die eine Sache kann vielmehr der Förderung der anderen dienen. Je weniger man sich in seinem Sonderinteresse gekränkt fühlt, desto freudiger kann man für die Gesamtaufgaben eintreten. Die Lage der Juden stimmt nun mit keiner der erwähnten völlig überein. Sie bilden kaum irgendwo in der Welt geschlossene Gemeinschaften, Inseln, inmitten der Länder. Sie sind ebensowenig von der einheimischen Bevölkerung aufgesaugt worden. Die geschichtlichen Verhältnisse, auf die ich nicht näher eingehen will, die Religionsverschiedenheit, die Anschauungen, die viele Leute von ihnen hegen, haben zur Genüge dafür gesorgt, daß eine vollkommene Assimilierung unmöglich war. Sie wird wohl ebenso in der Zukunft unmöglich bleiben. Und dabei handelt es sich doch in unseren Ländern nicht um eine eigene Sprache und Kultur, die aufrecht erhalten worden wären. In vielen Beziehungen hat eine Anpassung stattgefunden. Trotzdem besteht noch ein jüdisches Volkstum voll zäher Lebenskraft, und es wird auch weiter bestehen bleiben, wenn es sich auch nicht leicht sagen läßt, worin die erhaltenen und weiter zu bewahrenden Volkseigentümiichkeiten zu suchen sind. Dabei sind die Juden zwar in den einzelnen Ländern eine Minorität, aber dieselbe Minderheit ist zugleich Teil des sehr zahlreichen, in den verschiedensten Ländern vertretenen Gesamtvolkes der Juden, welches vielfach eine bedeutende Macht in der Welt darstellt. Wenn man besonders auf diesen letzteren Umstand achtet, kann man ihnen nicht wohl das Recht verweigern, welches man anderen erhalten gebliebenen Minderheiten zugestehen muß, nämlich den Anspruch auf ein doppeltes Nationalgefühl, ein jüdisches und ein deutsches, oder französisches usw. Auch bei ihnen müssen die beiden Tendenzen so gehandhabt werden, daß sie sich gegenseitig stützen und bedingen, ohne in einen Widerspruch zu geraten. Und es wird zweifelsohne viele Juden geben, denen die Lösung dieses Problems gelungen ist. 30

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