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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 19

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Die Judenfrage
Date
1925-01-01
Page
19 (sequence 2)
Language
German
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Die Judenfrage und vielleicht mißbrauchen — darf: die Judenfrage Meibt immer nur relativ und nie relativ lösbar. Das Erstaunlichste an der Judenfrage ist, daß sie überhaupt existiert, denn das ist so erstaunlich, daß sie meiner These: „Judenfrage ist Geschmackssache" zunächst geradezu zu widersprechen scheint. Es gibt sonst keinerlei „Geschmackssache", über die je ein so leidenschaftlicher und über die Jahrhunderte und Völker verbreiteter Streit entbrannt wäre. Aber die große Verbreitung und Leidenschaftlichkeit ihrer Erörterung gehört mit zu dem Erstaunlichsten, was jemals über die Existenz der Rassenfrage dargestellt wurde. Man wird mir entgegenhalten: die Judenfrage hat etwas völlig einzigartiges, das ihr zugleich alles Erstaunliche nimmt: daß die jüdische Rasse sich trotz Unterganges ihres Staates durch Jahrtausende hindurch bewahrte und auch in der Zerstreuung immer wieder stärkste Lebenskraft beweist! Ganz richtig ist dieses Argument nicht, denn ich brauche nur auf das Volk der Zigeuner zu verweisen, bei denen eines, nämlich die gemeinsame Sprache, teilweise sogar noch stärker bewahrt worden ist. Trotzdem gibt es zwar eine Judenfrage, aber keine Zigeunerfrage. Aber auch wenn dieses Beispiel der Zigeuner fehlte, würde die bloße Tatsache, daß die Juden ihre Prasse bewahrt haben, durchaus noch nicht der Judenfrage das Erstaunliche nehmen und sie erklären. Suche ich tiefer nach den Gründen der Existenz der Judenfrage, so kann ich sie nur in der Eigenart der Juden selber finden und nur darin, daß diese Eigenart so beschaffen sein muß, daß sie immer wieder, zu allen Zeiten und bei allen oder fast allen Völkern eine besondere „Frage", d. h. Gegensätze auftreten läßt. Anders ausgedrückt: die erstaunliche Tatsache der Judenfrage läßt die Vermutung entstehen, daß die jüdische Rasse Eigenarten hat, von einer Eigenartigkeit ist, die die anderen Rassen und Völker als „unverträglich" und „unerträglich" empfinden. Worin könnten diese unverträglichen und unerträglichen Eigenarten der jüdischen Rasse bestehen?— In der religiösen Eigenart kann der Urgrund der Judenfrage nicht liegen, denn der religiöse Antisemitismus ist im wesentlichen eine an eine bestimmte Zeit, nämlich an das Mittelalter gebundene Erscheinung, die weder in der religiös toleranten Antike bestand, noch in der leider religiös gleichgültigen Neuzeit besteht. Der religiöse Antisemitismus ist nur eine äußere Einkleidungsform des Antisemitismus selber. Das gleiche gilt von dem intellektuellen Antisemitismus, der die Juden als eine geistige Gefahr für die geistige Eigenart anderer Völker bekämpft, was den Menschen 2* *9

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