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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 18

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Die Judenfrage
Date
1925-01-01
Page
18 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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KATHARINA VON OHEIMB © t e SJuiunftage1) Bei allem, was ich von sozialen, klugen und törichten, weit» herzigen und engherzigen Leuten so vieler Völker über die Judenfrage gehört und gelesen habe, habe ich meist eine Feststellung vermißt, die mir sehr wesentlich und vielleicht entscheidend scheint: die Judenfrage ist — Geschmackssache. Man wird mir darauf erwidern: „Das ist so recht die Auffassung einer Frauu und will damit sagen: oberflächlich und leichtfertig. Daß es die Auffassung einer Frau ist, will ich nicht bestreiten, denn ich bin ja eine Frau, aber ob es oberflächlich und leichtfertig geurteilt ist, darüber möge das folgende entscheiden, Der Mannesintellekt neigt dazu, für alle Fragen eine absolut allgemeingültige Lösung zu suchen. So liegt auch den Mannesäußerungen zur Judenfrage fast immer der Gedanke und die Absicht zu Grunde, etwas Allgemeingültiges und Endgültiges über die Judenfrage zu sagen. Man braucht ja nur die ungesunde und völlig unaussöhnbare Verschiedenheit der Stellungnahmen so unendlich vieler und auch so klug und sachlich urteilender Männer zur Judenfrage und insbesondere auch die Meinungsverschiedenheiten über die Juden selber zu beobachten, um von vornherein zu der Vermutung zu kommen: eine endgültige, absolute Lösung der Judenfrage oder Judenfragen ist unmöglich. Von dieser durchaus nicht oberflächlich und leichtfertig getroffenen Vermutung zu der Auffassung, „Judenfrage ist Geschmackssache", ist der Schritt schon gar nicht mehr so weit; denn gemeint ist damit, daß jede Stellungnahme zur Judenfrage letzten Endes individuell und rein persönlich und obendrein nicht Verstandes-, sondern gefühlsmäßig ist. Trifft diese Auflassung zu, so ist damit viel gewonnen. Denn dann kann es einen eigentlichen wirklichen Meinungsstreit über die Judenfrage nicht mehr geben — über Geschmack läßt sich nicht sachlich streiten. Andererseits ist freilich auch viel damit verloren, denn dann besteht keine Möglichkeit und also auch keine Hoffnung mehr, Andersdenkende durch Vernunftgründe zu überzeugen, und eine wirklich anerkannte Lösung der Judenfrage zu finden. Sondern die Judenfrage wird unendlich schwieriger* sie wird zu einer Erziehungs- und Bildungsfrage wde der Geschmack und behält auch dann noch immer einen starken Rest individuellen Einschlages, der sich der Erfassung durch Erziehung entzieht^ Wenn ich einen Ausdruck des großen Einstein gebrauchen — i) Dieser für unser Sonderheft geschriebene Beitrag ist infolge eines, Irrtums schon vor Erscheinen an dieser Stelle in einem Berliner Blatt veröffentlicht worden. — Die Redaktion. 18

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