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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 130

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Die zweite Generation in Palästina und die arabische Umwelt
Date
1925-01-01
Page
130 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen in anderer Sprache, anderer Schule, anderer Tracht, anderen Spielen. Nur die auf der Grenze Stehenden und in Grenzschulen Erzogenen erleben diesen Konflikt. Die anderen kennen nur die jüdische Art ihrer Umgebung, und der Jude anderer Sprache, Tracht und Art ist ihnen fast ebenso ein Fremder wie der christliche Europäer oder der Araber. Allerdings hat diese Unabhängigkeit auch ihre negative Seite. Noch sind unsere Kinder dem Erlebnis des Golus zu nahe, als daß sie sich in vollkommener Unbefangenheit zu einem umfassenden, durch die nationalen Merkmale nur bereicherten Menschentum entwickeln könnten. Noch lebt ihnen im Blute der Widerstand gegen die europäischen Völker, und so finden wir bei ihnen eine etwas bornierte prinzipielle Ablehnung undÜberheblichkeit gegenüber allem Nichtjüdischen. Wir erleben Fälle, in denen Kinder freundschaftliche Beziehungen ihrer Eltern zu christlichen Familien als Würdelosigkeit und Verrat empfinden; in denen sie sich sträuben, neben dem Hebräischen irgendeine europäische Sprache zu erlernen. Aber auf der anderen Seite erzeugt die Unabhängigkeit unserer Kinder eine Offenheit, einen Stolz, eine Geradlinigkeit des Wesens, wie sie uns im Golus als Ideal erschienen. Nun aber erhebt sich die Forderung, die vollständige Abschließung unserer Kinder zu durchbrechen, um auf ihre Annäherung an die nicht jüdische Landesbevölkerung hinzuwirken. Hiermit ist nicht so sehr der Verkehr mit europäischen Christen gemeint — da es verhältnismäßig wenig christlich-europäische Kinder hier gibt, fehlt dafür auch die Grundlage —■ als vielmehr der Verkehr mit den Arabern. Damit einem friedlichen Nebeneinanderleben der Weg gebahnt werde, sollen wir unsere Kinder Sprache und Gewohnheiten der Araber kennen lehren; wir sollen sie auf die historische Bedeutung und auf die gegenwärtigen Leistungen der Araber im Lande hinweisen. Das alles sind natürlich ganz theoretische Forderungen, die ein wenig an die Forderungen der Haskalah erinnern. Damals aber handelte es sich um das geistige Eindringen in eine ganz unbekannte Welt, zu der dem Juden der Zutritt verboten gewesen war. In unserem Falle dagegen möchten wir unseren Kindern mit wissenschaftlichen Mitteln den Eintritt in eine Welt erzwingen, von der sie ohnehin ständig umgeben sind und über die sie sich aus unmittelbarer Anschauung ihr Urteil formen können; denn nur an ganz wenigen Plätzen Palästinas ist die Abschließung des jüdischen Kindes gegen seine arabische Umwelt so streng durchgeführt wie in Tel Awiw und in einigen unserer neuen Siedlungen. Hier bekommt tatsächlich ein Kind nur selten einen Araber zu sehen, hat keine Gelegenheit, die arabische Sprache zu erlernen und kennt das Wesen der Araber nicht viel besser als ein Kind in Europa. Dem so gegen die Außenwelt abgeschlossenen Kinde, das nur zu Zeiten, in denen die nationale Gegnerschaft aufflammte, den Araber kennen lernte, ist er ein Feind und eine drohende Gefahr, und gegen dieses elementare Gefühl kann ein Aufklärungsunterricht nur wenig ausrichten. Näher schon steht der Araber dem jüdischen Kinde in den älteren Kolonien, in denen man arabische Arbeiter beschäftigt. Hier hat es schon Gelegenheit, die arabische Sprache zu lernen und die Lebensgewohnheiten des Volkes zu begreifen. Da es aber hier fast nur unwissende, frohnende Fellachen sieht, wird es geneigt sein, im Araber schlechtbin den Knecht zu erblicken. Die meiste Gelegenheit, mit den Arabern in eine nahe und kamerad- 130

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