Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Erziehung zur Tradition
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 115 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehung zur Tradition sinnvolles Tim" x) entwickle. Damit soll keineswegs die blasphemische, äußere Geisteserfüllung „aus nationalen Gründen" gerechtfertigt werden — immerhin: wer weiß so über sich selbst oder gar über andere Bescheid, daß er solche Gründe als „rein nationale" mit völliger Sicherheit identifizierte? 2) —sondern nur eine pädagogische Regel ausgesprochen sein: aus der noch leeren Symboltat der Kinder kann, wenn ihren dadurch erregten Fragen die rechte Antwort wird, die sinnerfüllte Symboltat erwachsen. Die Grenze für diese Wandlung ist die Bar Mizwa, die ja in ausdrücklicher Absichtlichkeit mit dem Eintritt der Pubertät, d. h. im Grunde ja bereits der Geschlechtsreife, zusammenfällt (weshalb die entsprechende Grenze für Mädchen ein Jahr früher liegt). Die Erkenntnis der modernen Erziehungslehre, daß nun der Mensch sich aus seinen Elementen noch einmal ganz neu aufzubauen beginnt, daß er den organisch abgesonderten, nicht etwa nur vorbereitenden, sondern durchaus eigengesetzlichen Lebensstand des Kindes mit einem neuen Lebensstand vertauscht, muß sich auch in der Erziehung zur Tradition auswirken. Auf dieser Altersstufe erst tritt eine der bezeichnendsten und tiefsten Aussagen des Judentums über sich selbst in volle Kraft: „Größer ist der pflichtmäßig Handelnde als der freiwillig Handelnde", Nun erst wird das bisher Geübte zum Befohlenen, der Brauch zur Pflicht, von nun an verbietet sich jede nur vorläufige, noch vorbereitende leere Symboltat. Alles muß jetzt unter das Licht der Erkenntnis gerückt werden — und wenn, um ein Beispiel zu geben, der Kindergott, der ja n u r Schöpfer und Beherrscher der Welt, noch nicht aber der Gesetzgeber des Sittengesetzes war, sich bisher dem erwachenden Bewußtsein auch schon als solcher durch die religiöse Sittlichkeit des Hauses ergänzte, oder wenn seine Einheit in der gleichartigen Behandlung aller Menschen,. Juden wie Nichtjuden, Reicher wie Armer, „Frommer" wie „Unfrommer", von dem Kinde erlebt ward, also von seinem Korrelat, der Einheit des Menschengeschlechtes, her, so muß nun, nach dieser Wasserscheide der Generationen, der Weg umgekehrt sein: der als sittlich und einig-einzig erkannte Gott begründet, fordert und verbürgt Sittlichkeit und Einheit des irdischen Lebens. x) napS mwbx bv pino 2) Auf solchen Erwägungen beruht wohl der merkwürdige, allerdings ganz vereinzelte Ausspruch des Talmud: „Hätten sie doch schon mich (Gott) verlassen und hielten meine Thorah!" Vgl. dazu die sich vom Talmud aus weit unter die Späteren verzweigende und in ihren Ergebnissen in die maßgebenden Codices eingedrungene Erörterung, ob und in welcher Art die Mizwoth der „Kawwana'% der seelischen Richtung auf ihre wesentliche Erfüllung, bedürfen^ HS