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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Erziehung zur Tradition
Date
1925-01-01
Page
114 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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Ernst Simon Offenbarung und der immer wiederholten Offenbarung des Hier und Jetzt stets aufs neue schließt. Die Lösung dieser Aufgaben muß zwar schon im Kindesalter angebahnt werden, vor allem durch die Unterlassung alles Hindernden, durch die Verhütung psychologischer Hemmungen, aber sie begleiten den Juden ja durch sein ganzes Leben und wirken so in die späteren Erziehungsperioden ganz stark hinein. Je näher der Knabe —* denn nun handelt es sich (wieder ein ganzes Problem für sich!) vor allem um ihn —■ dem 13. Lebensjahre mit der Bar Mizwa, der religiösen Mündigkeit rückt, um so stärker treten die religiösen Symbole, die sichtbaren Zeichen, in den Vordergrund der Belehrung und Deutung. Tefillin und Zizith an Körper und Kleidung des Jungen, und für beide Geschlechter die Mesusoh an der Tür, der Feststrauß in der Hand, der Ton des Schofar in der Synagoge, die Chanukkahlichter, der Sedertisch, für die Frauen allein die Sabbath- und Feiertagslichter, und schließlich die (zwar nur für Männer vorgeschriebene, aber meist von der ganzen Familie benutzte) Laubhütte —• diese und noch viele andere Lebensformen setzen eine farbige und freundliche Welt zusammen, deren pädagogische Schwierigkeit — in ihrer Leichtigkeit besteht: sie ist (zunächst!) zu leicht zugänglich. Die jüdische Verflachung des letzten Jahrhunderts hat aus der herben Gesamtheit des Gesetzes die „erhöhten Momente" isoliert: Hochzeit und Tod ungebührlich übertrieben, den Freitagabend zu einem sentimentalen Ersatz des Sabbats gemacht und die sichtbaren Symbole zu ästhetischen Selbstzwecken werden lassen. Dabei sind die biblischen Vorschriften, auf die sie größtenteils zurückgehen, ausnahmslos didaktisch begründet: Tefillin und Sederabende, damit die Kinder nach dem Auszuge aus Ägypten fragen, Zizith, damit man sich bei ihrem Anblicke der Gebote erinnere usw. Das Wort „Erinnerung" spielt bei allen Symbolen innerhalb des jüdischen Gesetzes eine so große Rolle, daß wir deren Gesamtheit ohne Zwang als eine gewaltige, religiösnationale Mnemotechnik verstehen dürfen. Alle Formen weisen immer wieder auf den Inhalt hin, der sie erzeugt hat, den sie nun weitertragen von Geschlecht zu Geschlecht, der aber auch seinerseits sie immer wieder aufs neue, wenn auch immer wieder in gleicher Weise ausbildet. Nur in diesem Sinne sind die vielfach mißdeuteten talmudischen Sätze zu verstehen, die Israels Bekenntniswort „Wir wollen tun und wollen hören" dahin auslegen: ebenso wie im ganzen das Tun dem Verstehen vorangegangen sei, so dürfe auch im einzelnen darauf vertraut werden, daß sich „aus dem sinnleeren Tun ein 114

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