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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 113

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Erziehung zur Tradition
Date
1925-01-01
Page
113 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Erziehung zur Tradition nicht „trockenen'' Lernens, das Wissenschaft, Gottesdienst und geistiger Wettkampf in einem ist und eine innere Beziehung zum ,,Stoff* erweckt, die ihn zu höchster, geltender Lebendigkeit aktualisiert. Das gelingt nicht jedem Lehrer und nicht einmal mit jedem Schüler, aber es kann gelingen und ist oft genug gelungen — vor allem durch das Mittel des völlig freien und durch keine Autorität gebundenen Lehrstreites :die Dialektik der jüdischen Tradition kommt ganz wirklich aus dem Dialog, aus dem echten Gespräch, und kann, ja soll jederzeit dahin zurückverwandelt und auf diese Weise weitergeführt werden. Diesen methodischen Grundzügen gegenüber müssen hier, in unserer kurzen Skizzierung der Hauptprobleme, die allerdings auch sehr wichtigen Fragen der Stoffauswahl beim Lernen notgedrungen zurücktreten. Nur angedeutet sei, daß die östliche Übung, mit dem 3. Buch Mosis den Unterricht der Kinder zu beginnen, sich für den Westen wohl nicht empfiehlt: hier käme eher das zweite als Einleitung in Betracht. Auch wann mit Mischna und Gemara begonnen werden soll — ob erst nach dem Bildungsaufbau des antiken Judentums oder schon sehr früh — und ob überhaupt die Gemara, wenigstens idealtypisch, für jeden als Bildungsziel aufgestellt oder nur besonders Begabten zugewiesen werden sollte, das sind sehr schwierige Fragen, die hier nur gerade genannt sein können. Das dritte Problem dieses Zusammenhangs ist dem Beten und Lernen gemeinsam: die Wiederholung. Der Lehrer wird sehr häufig, was die Thorah anbetrifft: sogar Jahr für Jahr, den gleichen Stoff vorlegen und besprechen müssen, zwar möglichst bereichert um den neuen Jahresring eines jeweils anderen aus der Fülle unserer klassischen Kommentatoren, die sich doch aber immer um denselben Stamm herumlegen. Und der Beter, schon das betende Kind, wird täglich, auch bei wechselnden Empfindungen und Bitten, die gleichen Formeln der Erkenntnis, des Dankes, des Preises und des Flehens zu wiederholen haben. Hier muß sich dann die Kraft der lebendigen Tradition an der Erneuerung der alten Tafeln erproben: beim Lernen, indem die Bibel Jahr um Jahr eine neue, tiefere Schicht den Fragen des Kindes offenbart, von denen der Lehrer keine mutwillig weckt und keine ungläubig fürchtet, und beim Beten: indem das tägliche Wort niemals zur,,angelernten Menschensatzung" erstarrt, sondern täglich neu gegeben wird, wie die Worte der Thorah im Munde ihrer Weisen, und sich so der Bund zwischen der täglich ,,älterwerdenden", in die Jahrtausende zurücksinkenden historischen « Der Jude, IX, Sonderheft II. ii3

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