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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 96

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Das jüdische Schulwesen in Litauen
Date
1925-01-01
Page
96 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Jacob Robinson gesehen hätte. Die übliche Teilung in „Jawne" (orthodoxreligiöse), „Tarbut" (hebräische) und jiddisch-weltliche (jiddischistische) Schulen ist etwas gekünstelt, schon deshalb, weil das fundamentum divisionis verschieden ist, teilweise Unterrichtssprache, teilweise Beziehung zu Religion und Religionsunterricht. Es wäre richtiger, von einer betont jüdischen und einer nicht betont jüdischen Schule zu sprechen. In dieser Hinsicht sind die jiddisch-weltlichen Schulen nur Schulen mit jiddischer Unterrichtssprache. Daß auch dort am Sonnabend der Unterricht ausfällt, ist angesichts der strengen Durchführung der Sabbatruhe in Litauen kein Wunder. Diese Schulen meiden aber absichtlich spezifische nationale Inhalte, geschweige denn nationale Begeisterung. Ganz anders ist es mit den Jawne- und den Tarbut-Schulen: die ersten betonen mehr das religiöse Moment, die anderen das nationale. Was die Unterrichtssprache anbetrifft, sind die Jawneschulen gemischt, überwiegend hebräisch, die Betonung liegt aber bei beiden auf dem jüdischen Charakter. Das ist aus den Stundenplänen der betreffenden Schultypen zu sehen: in den Jawneschulen sind von den 36 Unterrichtsstunden in der Woche den jüdischen Fächern gewidmet: im 1. Lehrjahre 24, im 2. 15, im 3. 12, im 4. 8 (tatsächlich ist aber ihre Zahl noch viel höher). In den Tarbutschulen: im 1. Lehrjahr 13 (von der Gesamtzahl 24), im 2. 13 (von 33), im 3. 17 (von 36), im 4. 16 (von 36). In den jiddisch-weltlichen Schulen werden offiziell im 3. Lehrjahr 4 Wochenstunden hebräisch unterrichtet und 2 Stunden jüdische Geschichte, im 4. Lehrjahre 5 Stunden hebräisch und 2 Stunden jüdische Geschichte. Die Mehrzahl der Schulen entspricht jedoch nicht diesen drei reinen Typen, sondern besteht aus sogenannten Kompromißschulen. Die Gründe für diese Erscheinung sind folgende. Das Gros des litauischen Judentums lebt in kleinen Ortschaften, wo mehr als eine Schule nicht existieren kann. Ferner war auch der Wille der Eltern mitbestimmend: dort, wo nur eine Schule existieren konnte, mußte sie versuchen, alle zufriedenzustellen, An erzieherischer Kraft haben die Schulen verloren, dagegen gewinnen sie an Volkstümlichkeit. Nur in den größeren Städten bildete sich der reine Schultypus aus, leider aber parteimäßig orientiert. Die Theorie hat versagt, es ist aber andererseits schwer zu sagen, ob diese mehr aus Not entstandenen „Peschara"- Schulen einen Schritt vorwärts auf dem Entwicklungswege der jüdischen Schule darstellen. Die Problematik bleibt bestehen, anstatt sie aber zu lösen, drückt man sich um eine Lösung herum. 96

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