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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 95

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Das jüdische Schulwesen in Litauen
Date
1925-01-01
Page
95 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Das jüdische Schulwesen in Litauen daß die gesamte jüdische Bevölkerung Litauens etwa vier Jahre im Exil in Rußland war, so wird klar, wie schwer die den Lehrern gestellte Aufgabe ist. Trotzdem haben fast sämtliche Lehrer die Prüfung bestanden. Die dritte Bedingung der Eingliederung war die Anpassung der Programme der jüdischen Schulen an das allgemeine Programm. Die Auffassung des Kultusministeriums war hier leider eine rein mechanische: die Anzahl der Stunden für die profanen Fächer wurde schematisch vorgeschrieben, während an eine geistige Einheit mit den anderen Lehrgegenständen und entsprechende Umarbeitung des Programms nicht gedacht wurde. Heute haben wir in Litauen 107 Regierungsvolksschulen mit 199 Klassen (jede mit öOKindern), 192 Lehrern und 10716 Schülern. Von diesen Schulen haben jiddische Unterrichtssprache 14 mit 30 Klassen, 30 Lehrern und ca. 1400 Schülern. Nach unserer Berechnung beträgt die Zahl der Kinder im schulpflichtigen Alter etwa 18 000. Abgesehen von den in den Regierungsvolksschulen untergebrachten Kindern gibt es noch eine beträchtliche Anzahl in Chedarim, ferner werden Kinder in diesem Alter auch in den unteren Klassen der Mittel- und höheren Schulen, in nichtsubvent;onierten Volksschulen und endlich in den nicht jüdischen Volksschulen unterrichtet. Ein Teil, wenn auch ein geringer, bleibt namentlich in den kleinen jüdischen Gemeinden außerhalb der Schule, da es in Litauen keinen Schulzwang gibt. Die Finanzierung des jüdischen Schulwesens erfolgt vor allem durch die Staatskasse, aus der die jüdischen Volksschulen jährlich ungefähr 750 000 Lits ($ 75 000) beziehen. Erst in zweiter Linie kommt die Unterstützung der organisierten Gemeinden. In den letzten zwei Jahren der normalen Existenz der jüdischen Gemeinden steuerten die 40 größeren Gemeinden für das Schulwesen bei: im Jahre 1923, 157 586Lits; im Jahre 1924, 201 462 Lits. Leider fällt infolge der Liquidationspolitik in bezug auf die Organe der jüdischen Autonomie im Jahre 1925 diese Subvention aus. Sie wurde hauptsächlich zur Gewährung von Zuschüssen an die von der Regierung ziemlich niedrig bezahlten Lehrer verwandt, erst in zweiter Reihe zur Finanzierung von nichtregistrierten Schulen. Hierzu kamen kümmerliche Subventionen der Kulturgesellschaften und leider auch noch mancherorts Schulgelder. Viel komplizierter erscheint das innere Schulproblem: Was ist eine jüdische Schule? Darüber gingen die Meinungen weit auseinander. Es gab in Litauen keine Assimilation, die das Jüdischsein einer Schule nur im Schüler- und Lehrerbestand 95

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