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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Das jüdische Schulwesen in Litauen
Date
1925-01-01
Page
94 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Jacob Robinson II. Die jüdischen Volksschulen Im eigentlichen Sinne des Wortes sind darunter die in das allgemeine Schulnetz eingegliederten, den Anforderungen des Kultusministeriums entsprechenden, von ihm finanzierten und seiner Aufsicht unterworfenen Volksschulen zu verstehen. Es galt, diese Eingliederung, die übrigens noch nicht abgeschlossen ist, allmählich durchzuführen. Zunächst mußten die Schulen den Beweis dafür liefern, daß sie wirkliche Schulen sind, dann mußten die Lehrer sich als Lehrer legitimieren. Daß in einem vom Krieg und Okkupation heimgesuchten Lande wie Litauen die Versorgung der Schulen mit entsprechenden Schulgebäuden besonders schwierig ist, liegt auf der Hand. Noch heute nach sieben Jahren sind die Verhältnisse auf diesem Gebiet sehr unerfreulich. Bis auf geringe Ausnahmen ist auch die Ausstattung der Schulen mit Schulinventar und Lehrmitteln unbefriedigend. Doch ist ein großer Schritt nach vorwärts gemacht worden. Die zweite Bedingung der Eingliederung der Schule in das allgemeine Schulnetz war die „Zensurierung" der Lehrer: sie hatten den Beweis zu erbringen, daß sie den vom Kultusministerium verlangten Bildungsgrad besitzen. Das jüdische Litauen hatte nicht die erforderlichen 400 Volksschullehrer, um die Schulen in Betrieb zu setzen. Es bedurfte großer Anstrengungen des jüdischen Ministeriums und Nationalrates, um dieser Not abzuhelfen. Fast in jeden Sommer wurden Feri en kurse eingerichtet, in denen die jüdisch vorgebildeten Lehrer sich in den profanen Fächern vorbereiteten, worauf sie dann die Prüfungen ablegten. Ein radikaler Ausweg wäre die Gründung eines jüdischen Lehrerseminars. Eine entsprechende Gesetzesvorlage wurde im Sejm 1922 eingebracht, die Realisierung wurde aber immer aufgeschoben. Man mußte also zu Surrogaten greifen, und auf diese Weise entstanden die Lehrerseminare (zunächst mit einjährigem, später mit zweijährigem Kursus) der Jawne-Organisation in Telschi, der Tarbut-Organisation und der jüdischen Kulturliga (dieses ist kürzlich eingegangen) in Kowno. Das Tarbut- Semmar haben im vorigen Jahre 40 Lehrer absolviert, in diesem Jahre ist die Zahl der Schüler 49. In den letzten zwei Jahren strömten auch Absolventen der hebräischen Gymnasien dem Lehrerberuf zu; meistens waren es junge Leute, die wegen Mittellosigkeit das Hochschulstudium nicht antreten konnten. Ein Spezialproblem bildet die Prüfung in der litauischen Sprache. Litauisch wurde vor dem Kriege nur von den Kleinstadtjuden gesprochen, die im direkten Verkehr mit der litauischen Bevölkerung standen. Wenn man noch hierzu in Betracht zieht, 94

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