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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Das jüdische Schulwesen in Litauen
Date
1925-01-01
Page
93 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Das jüdische Schulwesen in Litauen sieht auch üher die jüdischen Schulen ausüben darf. Doch ist es dazu praktisch nicht imstande. Der Kreisschulinspektor ist der jiddischen bzw. hebräischen Sprache nicht mächtig. Ein jüdisches Inspektorat, geschweige denn eine jüdische Abteilung im Kultusministerium (wie etwa in Lettland) gibt es bei uns nicht, trotzdem seitens der jüdischen, politischen Vertretung wiederholt darauf gedrängt wurde. Der von der deutschen Schulbehörde übernommene jüdische Referent hielt es nicht lange aus, ein Versuch mit einem jüdischen „Visitator" ist wegen verschiedener Ursachen als mißlungen anzusehen. Seit 1920 besteht tatsächlich keine Schulaufsicht durch das Ministerium, denn der Kreisschulinspektor kann höchstens über Raumverhältnisse und Kenntnis des Litauischen urteilen. Auch der Gemeinderat, der nur Geldgeber ist und seine Subvention allen Schulen gleich zukommen läßt, hat kein Aufsichtsrecht. Dem Elternrat steht ein beschränktes Aufsichtsrecht zu: er hat das Recht, dem Unterricht als Zuhörer beizuwohnen und Lehrer zu empfehlen. Solange das Ministerium für jüdische Angelegenheiten bestand (es wurde 1924 aufgehoben), hatten die Schulabteilung beim Ministerium und die Instruktoren eine gewisse Aufsicht ausgeübt und ständigen Kontakt mit den Schulen aufrechterhalten. Auch der Nationalrat (Ende 1924 geschlossen) hatte eine Kulturabteilung und Instruktoren. Die führenden Kreise des jüdischen Schulwesens erkannten die Gefahr, die darin liegt, daß die Schulen ohne Aufsicht bleiben, und behelfen sich mit Surrogaten. Solche sind: der Merkas der Lehrerorganisation und der Merkas Hagimnasioth. Es ist dies eine Selbstaufsicht mit allen positiven und negativen Seiben einer solchen. Der Merkas der hebräischen Lehrerorganisation (gegründet im Sommer 1924) ist eigentlich eine gewerkschaftliche Organisation, sorgte aber damals für die Fachausbildung der Lehrer und berief pädagogische Lehrerkonferenzen. Infolge Geldmangels mußte der Merkas seine Tätigkeit neuerdings fast ganz einstellen. — Der Merkas Hagimnasioth wurde 1920 nach der ersten Gymnasialkonferenz in Mariampol begründet. Er ist eher eine Arbeitsgemeinschaft als eine Organisation. Seine Aufgabe ist der Zusammenschluß der Gymnasien auf geistigem und speziell programmatischem Gebiet. Er ließ eine leider bald eingegangene Zeitschrift „Beth sifrenu" erscheinen, die den Problemen des hebräischen Gymnasiums gewidmet war. Der mündliche Meinungsaustausch zeitigte doch wichtige Ergebnisse und wenn sich heute die Schulen im Stadium der Normalisierung befinden, so ist dies zum größten Teil ein Ergebnis der Selbsthilfe, organisiert durch den Merkas. 93

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