Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das hebräische Schulwerk in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 76 (sequence 14)
- Language
- German
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Fritz Loewenstein schaft unberührt läßt. Die Schulen der Arbeiterschaft können denen der Zionistischen Organisation vieles geben, ebenso wie die Arbeiterschaft daran interessiert ist, daß sie nicht durch proletarische Klassenschulen andere Schulen zu bürgerlichen stempelt. Leider gewinnt man aus den zionistischen Zeitungen fast nur den Eindruck, als sei das hebräische Schulwerk in Palästina ausschließlich eine Budget angelegenheit. Man kann ganze Jahrgänge dieser Blätter durchsehen, ohne vom palästinensischen Schulwerk in anderem Zusammenhang zu hören als dem der Eingänge des Keren Hajessod, der Kürzung des Budgets, der rückständigen Lehrergehälter, des drohenden Lehrerstreiks und der Versprechungen zur Vermeidung dieses Streiks. Nun wäre eine Frage wie die, ob und in welchem Umfange das Schulbudget gekürzt werden dürfe und der Keren Hajessod für das Schulbudget aufzukommen habe, eigentlich nur zu entscheiden auf Grund einer Überprüfung der Leistungen und Aufgaben des Schulwerks. Auch die Auseinandersetzung z. B. ob Landwirtschaft oder Industrie die Grundlage des Aufbaus sein müsse, ist im Grunde eine Budgetfrage; und doch wird diese Auseinandersetzung prinzipiell geführt. Das ist bei den Schulfragen so gut wie nie geschehen. — Drei Quellen kommen bekanntlich für das Schulbudget in Frage: Regierung, Jischuw und KerenHajess od. Es ist bekannt, daß die ungenügende Unterstützung des hebräischen Schulwerks durch die Regierung seit Jahren zu den Beschwerdepunkten der Zionistischen Organisation gegenüber der Mandatsmacht gehört. Die Subvention der Regierung bewegt sich seit Jahren immer um die Ziffer von 2500 £, das ist etwa 2,5% des Gesamtbudgets. Bei der letzten Verhandlung über das Palästinamandat vor der Mandatskommission des Völkerbundes erkannte die englische Regierung den zionistischen Standpunkt, der proportionelle Subventionierung des hebräischen Schulwerks neben dem arabischen verlangte, nicht als gerechtfertigt an, während die Mandatskommission dem zionistischen Anspruch günstiger gegenüberstand. Der Waad Leumi hat im Auftrage der neuen Assefath Haniwcharim die Subventionierung der Schulen erneut der Regierung gegenüber zur Sprache gebracht und die Regierung stellte diesmal eine Vergrößerung ihrer Beteiligung in Aussicht, falls die Schulen sich einer stärkeren Regierungskontrolle unterstellen würden. Heute nämlich beschränkt sich die Ingerenz der Regierung auf hygienische Fragen in der Schule, während sie auf die Lehrpläne und die innere Organisation keinerlei Einflußmöglichkeit hat. Es ist bisher nicht bekannt geworden, in welcher Richtung die Forderung der Regierung nach Verstärkung ihres Einflusses 76