Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das hebräische Schulwerk in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 74 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Fritz Loewenstein Gewöhnung an körperliche Arbeit. Gerade auf diesem Gebiet ist viel Beachtliches geschehen, sind viele Fortschritte gemacht worden. Der Waad Hachinuch verfolgt hier wie überall die richtige Taktik, nichts aufzuzwingen, sondern das an einer Schule Geleistete anderen Schulen zur Kenntnis zu bringen und Anregungen zu geben. Die vor zwei Jahren veranstaltete pädagogische Ausstellung in Jerusalem bot in dieser Richtung sehr wertvolle Anregungen. Im allgemeinen kann man sagen, daß heute in einem sehr großen Prozentsatz der Schulen des Waad Hachinuch ein solches Fach als Pflichtfach gelehrt wird. Die Schulen in den Kolonien, wo schon das Leben die Kinder zur Mitarbeit zwingt, haben fast alle ihr eigenes Stück Land, vielfach auch städtische Schulen. Tn der Stadt herrscht handwerkliche Arbeit vor, wobei das Maß dessen, was geboten wird, nicht vom Willen der Lehrer, sondern vielfach von den Geldmöglichkeiten abhängt. Denn mit dem Beschluß, Buchbinderei- oder Tischlerarbeit einzuführen, ist fast immer der Bau von Werkstätten und die Anschaffung von Geräten und Maschinen verbunden und das erfordert finanzielle Mittel, die das ordentliche Budget nicht zu decken vermag. Trotzdem hat die hingebende Arbeit besonders interessierter Direktoren oder Lehrer vieles zuwege gebracht. Eine Schule wie die Haifaer Realschule, die allerdings durch Verbindung mit dem Technikum von vornherein günstiger gestellt war, unterrichtet Jungen und Mädchen in den unteren Klassen in Buchbindereiarbeit, die Knaben der mittleren Klassen in Tischlerei-, die der oberen Klassen in Schlossereiarbeit, während die Mädchen im Internat die Hauswirtschaft erlernen. Für diesen Unterricht sind Werkstätten, Geräte und Material und Fachlehrer vorhanden. Das Gleiche, wenn auch nicht überall in solchem Umfange, haben aber heute die meisten Schulen des Waad Hachinuch. Wenn hier also ohne Zweifel der richtige Weg erkannt und gegangen wird, so ist daneben die Frage der Arbeitsmethode in den allgemeinen Fächern sekundärer Natur oder, richtiger ausgedrückt, sie ist in Palästina eine rein pädagogische Frage, wie in anderen Ländern, ohne den spezifischen Charakter, der sich aus unserer nationalen Aufgabe ergibt. Freilich neigt das jüdische Kind weit mehr zur Abstraktion als zu einer wirklichkeitsverbundenen Arbeit, und aus diesem Grunde ist auch der Arbeitsschulgedanke ein gesunder. Ihrer Natur nach ist diese Arbeitsmethode nicht auf alle Fächer in gleichem Maße anwendbar; bei Sprachen und Geschichte spielt sie eine geringere Rolle, als bei den naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern. Die Hauptschwierigkeit liegt hier in Palästina auf dem Gebiete 74