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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Das hebräische Schulwerk in Palästina
Date
1925-01-01
Page
73 (sequence 11)
Language
German
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Das hebräische Schulwerk in Palästina dung für Englisch gebracht. Fast alle Kinder kennen heute nun zwar eine oder mehrere europäische Sprachen, vor allem Russisch und Deutsch oder Polnisch. Englisch sprechende Familien sind aber nur in geringer Zahl vorhanden. Dennoch muß der Übergang zum Englischen gefunden werden und, wenn beim Arabischen die Resultate zu wünschen übrig lassen, so kann vom Englischen das Gegenteil gesagt werden. Englisch wird — möglichst durch Lehrer aus dem englischen Sprachgebiet — in durchaus moderner Weise unterrichtet, indem die Sprache beinahe vom ersten Tage an gesprochen wird. Übrigens werden nur in den höheren Schulen beide Sprachen unterrichtet, während die städtischen Schulen sich auf Englisch beschränken und in den Kolonien vielfach nur Arabisch gelehrt wird. In den höheren Schulen wrird ferner Französisch fakultativ unterrichtet, im Tel Aviver Gymnasium auch Latein, in der letzten Zeit wird auch ein Versuch mit Italienisch, ebenfalls fakultativ, gemacht. Die Erziehung für das zukünftige Leben in Erez Israel ist aber weit weniger eine Frage des Lehrstoffs als vielmehr der Lehr m e t h o d e und des Geistes der Schule. Es ist schwer, an dieser Stelle über diese Fragen zu sprechen, weil die Terminologie immer wieder Anlaß zu Mißverständnissen gibt, wie das ja auch das Schicksal pädagogischer Diskussionen in Europa zu sein pflegt. Die Förderung der Arbeitsschule z. B. begreift zwei ganz verschiedene Probleme in sich. Einmal handelt es sich um ein methodologisches Problem: Kinder sollen einen bestimmten Stoff nicht erlernen, sondern erarbeiten. Sie sollen etwa einen geometrischen Lehrsatz nicht dadurch zu ihrem geistigen Besitz machen, daß der Lehrer den Satz und den Beweis an die Tafel schreibt und der Schüler das zur nächsten Stunde „lernt", sondern der Schüler findet den Satz, indem er etwa auf dem Schulhof Messungen vornimmt. Daneben steht eine Forderung ganz anderer Art: das Kind zu körperlicher Arbeit zu erziehen und deshalb etwa die Tischlerarbeit zu einem Unterrichtsfach zu machen. Für Palästina sind beide Formen der Arbeitsschule erwünscht. Liegt doch die Rückkehr zu körperlicher Tätigkeit im Sinne unserer Regenerationsbestrebungen. Mehr als dies: die Erziehung muß auf bestimmte Berufe als die wichtigsten für den Aufbau hinweisen. Es bestehen hier ähnliche Probleme wie in der Hechäluzbewegung außerhalb des Landes. Nur muß die Schule, ihrer Eigenart entsprechend, weit weniger mit Ideologie und weit mehr mit praktischer Hinleitung arbeiten. Palästina braucht Bauern, Arbeiter, Handwerker: dazu erzieht die Schule nicht durch gelegentliche Berufshinweise, sondern durch möglichst frühzeitige 73

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