Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das hebräische Schulwerk in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 72 (sequence 10)
- Language
- German
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Fritz Xoewenstein Kinde die Möglichkeit geben, sich für seine spätere Aufgabe im Lande wirklich vorzubereiten. Klar ist vor allem, daß die hebräische Schule Palästinas, die ihre Schüler wirklich zur Arbeit im Lande erziehen will, ihnen die Kenntnis des Arabischen und des Englischen vermitteln muß. Für beide Sprachen spricht noch eine besondere Erwägung. Der Weg zur Versöhnung mit den Arabern führt zweifellos über eine möglichst weit verbreitete Kenntnis des Arabischen unter der jungen palästinensischen Generation. Es genügt keineswegs, ein gewisses Maß an Sprachfertigkeit zu erreichen, das übrigens vielfach auch ohne die Schule vorhanden ist oder neben ihr erworben wird, sondern uns schwebt ein wirkliches Eindringen in die arabische Kultur vor, das mindestens die Möglichkeit gibt, eine arabische Zeitung zu lesen und mit einem gebildeten Araber ein ernsthaftes Gespräch zu führen. Die Notwendigkeit dieser Forderung wird zwar anerkannt, aber ihre Durchführung liegt vielfach im Argen. Es herrscht Übereinstimmung darüber, daß die Ergebnisse des arabischen Unterrichts sehr viel zu wünschen übrig lassen. Ein Grund hierfür liegt im Mangel an guten Lehrern, weder die arabisch unterrichtenden sephardischen Juden, noch die gelegentlich an ihrer Stelle verwendeten arabischen Lehrer bewähren sich. Der zweite Grund ist die Einstellung der jungen palästinensischen Generation zu den Arabern, die sicherlich nicht ganz ohne Schuld der Lehrerschaft entstanden ist. Der etwas primitive Nationalismus, von dem oben die Rede war, kommt hier deutlich zum Ausdruck. Besonders bei den Schülern der höheren Schulen macht sich häufig ein Herrenstandpunkt geltend, der in dem Araber ein Wesen geringerer Art sieht und der von Teilen der Lehrerschaft noch gefördert wird. Eine solche Stellungnahme kann bei den Kindern keine besondere Neigung erwecken, Arabisch zu lernen. Man versteht zwar den praktischen Nutzen der Kenntnis der arabischen Sprache, aber an arabisches Kulturgut glaubt man nicht recht. Was das Englische anlangt, so spricht für dieses die folgende Erwägung: Es scheint doch eine Notwendigkeit zu sein, daß das palästinensische Judentum neben dem Hebräischen £ine europäische Sprache beherrscht, wenn das auch nicht zu bedeuten braucht, daß alle Juden diese Sprache verstehen. In Skandinavien z. B. oder in anderen kleinen Kulturländern wird fast immer eine der Weltsprachen neben der Landessprache von weiten Kreisen der Bevölkerung verstanden. Wenn es vor dem Kriege zweifelhaft sein mochte^ welche Sprache in Palästina berufen sein könne, diese Verbindung mit der allgemeinen Kulturentwicklung herzustellen, so hat die Nachkriege entwicklung zwanglos die Entschei- 72