Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das hebräische Schulwerk in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 71 (sequence 9)
- Language
- German
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Das hebräische Schulwesen in Palästina mit den Kindern aber Hebräisch. Entscheidend ist die Frage, ob das Kind den Kindergarten besucht hat, der eben in Palästina außer seinen sozialen und pädagogischen Funktionen auch die wichtige Aufgabe zu erfüllen hat, die Kinder zu hebraisieren. Es soll jedenfalls klar verstanden werden, daß, wenn man über palästinensische Lehrprogramme urteilt, wenn man ein Mehr an fremden Sprachen verlangt, man nicht vergessen darf, daß das Hebräische vielfach erst erlernt werden muß und nicht als die selbstverständlich vorauszusetzende Muttersprache angesehen werden darf. Freilich wird sie es dann in überraschend kurzer Zeit. Kinder, die mit drei Jahren in den Kindergarten kommen, ohne ein Wort Hebräisch zu können, sprechen die Sprache nach drei Monaten erträglich und nach einem Jahr fast einwandfrei. Diese Kindergartenkinder geben dann in der Schule den festen Stamm der unteren Klassen ab, der den hebräischen Charakter garantiert und dem sich neu eintretende Kinder aufs schnellste anpassen. Hier liegt eine der wesentlichen Aufgaben der Schule überhaupt : sie schafft die Volksgemeinschaft auf der Basis der nationalen Sprache. WennmanimKindergarten oder in der Volksschule gesehen hat, wie jüdische Kinder der allerverschiedensten Herkunftsländer, der verschiedensten sozialen Schichten, zu einer Gemeinschaft zusammengeschmolzen werden, so weiß man, daß die Frage der Eingliederung in das palästinensische Leben überhaupt nicht anders gelöst werden kann als durch die Schule. Es ist schwer zu verlangen, daß Menschen der vierten Alijah sich dem Denken und Leben des Jischuw ganz einordnen können: eine Lebensfrage aber ist es, daß die Kinder es tun, und hier ist die Schule der einzige, dafür aber ausreichende Weg. Erzieht die Schule zur Volksgemeinschaft, so wäre ihre andere Aufgabe, daß sie für das Land erzieht. Was in Europa die Aufgabe der zionistischen Jugendbewegung ist, menschliche und fachliche Vorbereitungsarbeit für die Arbeit in Palästina zu leisten, das muß in Palästina die Schule tun. Wir rühren hier an ein Problem, das heute vielleicht am stärksten der pädagogischen Diskussion im Lande unterliegt, das noch weit von der endgültigen Lösung entfernt ist, aber in vieler Beziehung einer Lösung näher gebracht wurde. Die Schwäche des Jischuw, die Verschiedenartigkeit der Elternhäuser bewirken, daß eigentlich nur die Schule als bewußt erzieherisch wirkender Faktor übrig bleibt. Sie darf dem Kinde nicht nur predigen, daß es später, wenn es erwachsen ist, seinen Platz im Jischuw einzunehmen und am weiteren Aufbau des Landes teilzunehmen hat, sie muß auch dem 71