Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das hebräische Schulwerk in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 70 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Fritz Loewenstein kannten, was sie in Palästina nicht brauchen, aber kein Englisch, und nun in die 4. oder 5. Klasse aufgenommen werden wollten. Daneben drei Geschwister aus Port Said, bisher Schüler einer italienischen Missionsschule, die ganz gut Hebräisch sprachen, aber nie Mathematik oder Physik gelernt hatten, zwei Brüder, bisher in einem amerikanischen Gymnasium, Kinder aus Polen, die zuerst einen Cheder und dann eine Schule mit jiddischer Unterrichtssprache besucht hatten, usw. In den Zeiten der starken Einwanderung mittelständischer Elemente, die fast alle mit Kindern ankamen, waren fast alle Schulen in den Einwanderungszentren, vor allem Tel Aviv und Haifa, gezwungen, besondere Vorbereitungskurse zu errichten, an deren Schluß eine Aufnahmeprüfung steht. Aber es ist klar, daß auch diejenigen, die diese Prüfung bestehen, für die Klasse, in die sie eintreten, ein schweres Hindernis bedeuten. Man denke sich einen vierzehnjährigen Jungen, der ein halbes Jahr in Palästina fleißig Hebräisch gelernt hat und nun in eine Klasse eintritt, die Achad Haam oder Bialik als Klassenlektüre betreibt, die Shakespeare liest, indem sie ihn aus dem Englischen ins Hebräische übersetzt! Und das Problem gilt nicht nur für die neuen Emigrantenkinder. Schon die unterste Klasse der Volksschule bekommt ein ganz verschiedenartiges Material: neben Kindern mit rein hebräischem Elternhaus, die bereits drei Jahre einen Kindergarten besucht haben, stehen andere, die die Sprache ungenügend oder gar nicht beherrschen. Hier liegt eines der ernstesten Hindernisse der praktischen Erziehungsarbeit vor, ein Hindernis, das nicht zu überwinden ist, weil es mit dem Aufbau des Landes untrennbar verbunden ist. Mit vollem Recht hat es der Jischuw immer abgelehnt, das Schulwerk völlig zu übernehmen und zu bezahlen: die ständige Neuaufnahme eben eingewanderter Kinder zeigt, wie sehr die Schule als ein Institut nicht nur des Jischuw, sondern der ganzen zionistischen Bewegung anzusehen ist. Man kann sagen, daß das Hebräische auch heute noch nicht die Stellung im Schulwesen hat, die sonst auf der Welt die Muttersprache einnimmt. Heute gibt es keinen Kampf mehr um das Hebräische, wie zur Zeit des Schulkampfs; der Sieg des Hebräischen ist vollkommen. Es gibt auch keine Schwierigkeiten der Terminologie mehr. Trotzdem unterscheidet sich das Verhältnis der untersten Schulklasse zum Hebräischen grundsätzlich von dem einer deutschen Volksschulklasse zum Deutschen. Statistiken zeigen, wie klein noch die Zahl der rein hebräisch sprechenden Elternhäuser ist. Sehr viel größer ist schon die Zahl derjenigen Elternhäuser, wo die Eltern unter sich eine Galuthsprache sprechen, 70