Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das hebräische Schulwerk in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 67 (sequence 5)
- Language
- German
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Das hebräische Schulwerk in Palästina sich ihm naturgemäß überlegen: denn man hat ja all das, was der Immigrant sich erst aneignen muß. Das soll keineswegs heißen, daß diese Jugend politisch uninteressiert und indifferent ist. Nur ist ihr Nationalismus ein wenig primitiv und unkompliziert. Man verteidigt das Heiligtum der hebräischen Sprache und der „Gdud Magine Hassafah", dessen etwas rüde Kampfesweise der guten Sache der hebräischen Sprache mehr schadet als nützt, setzt sich fast ausschließlich aus Schülern zusammen. Ebenso können revisionistische Kundgebungen, militärische Akte, wie etwa die Einholung der Fahne des jüdischen Bataillons, stürmischen Anklang gerade bei der Jugend finden. Das alles sind nicht Ergebnisse der Erziehung der ersten palästinensischen Generation, sondern Folgen der Tatsache, daß auch diese Generation noch einen Übergang darstellt. Erfreulich ist die Tatsache, daß der vielfach gefürchtete Drang nach dem Ausland kaum besteht. Die Absolventen der Volksschule bleiben mit Selbstverständlichkeit im Lande. Was die höheren Schulen anlangt, so erziehen ja die Gymnasien mehr oder weniger zur Universität und zwingen so die Absolventen, solange die hebräische Universität nicht ausgebaut ist, außerhalb des Landes zu studieren. Aber die Statistik lehrt, daß so gut wie alle den Weg nach Erez Israel zurückfinden. Sie haben doch das schlichte Gefühl für die Heimat und für den Klang der Sprache und bleiben ohne viel Theorien Palästina treu. — Die geistigen Interessen dieser heranwachsenden Jugend sind entschieden geringer und begrenzter als in Europa. Mir scheint, daß das nicht an mangelnden geistigen Qualitäten, sondern vielmehr an der mangelnden Anregung liegt. Man vergesse nicht, daß Palästina nicht eine einzige ständige Kunstsammlung, nicht ein einziges ständiges Theater hat, daß der Menschenkreis, der das heutige jüdische Palästina ausmacht, klein ist, ständige schwere Alltagssorgen hat und wenig an die Schaffung eines geistigen Milieus zu denken vermag. Eine weitere Schwierigkeit liegt zweifellos auch in der Tatsache, daß die hebräische Literatur in ihrem gegenwärtigen Zustand noch nicht jenes Maß an vielseitigen Anregungen zu geben vermag, wie europäische Sprachen. Zwar ist ein großer Teil der wertvollen Literatur aller Sprachen ins Hebräische übersetzt und die Schulbibliotheken geben der Jugend diese Lektüre in die Hand, aber noch kann das keinesfalls ausreichen. Vor allem beschränkt sich die Übersetzungstätigkeit fast ausschließlich auf das Gebiet der schönen Literatur. Es ist aber bekannt, daß bestimmte Typen wissenschaftlicher Bücher (Mommsens „Römische Geschichte", Burckhardts „Kultur der 5* 67