Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das hebräische Schulwerk in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 65 (sequence 3)
- Language
- German
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Das hebräische Schulwerk in Palästina liehe Erbauer des Landes ist, empfindet der hebräische Lehrer in Palästina vielfach geradezu mit Verbitterung, wie wenig man seine Leistung zu schätzen versteht, wie wenig seine Arbeit, in einer Atmosphäre der Anteilnahme vor sich geht. Der Ausbruch des Lehrerstreiks im vorigen Jahre hängt psychologisch ohne Zweifel mit diesem Gefühl der Zurücksetzung zusammen, mit der Anschauung, daß, wäre das Interesse am Erziehungswerk ein größeres, vielleicht auch die budgetären Fragen nicht unlösbar sein würden. Die Generation, die jetzt in- und außerhalb Palästinas am Bau des jüdischen Nationalheims arbeitet, ist oft genug mit Recht als eine Generation des Übergangs bezeichnet worden. Uns schwebte vor, daß die neue Generation, die in Erez Israel geboren wird oder, in zartem Kindesalter dorthin verpflanzt, im Milieu der nationalen Heimstätte und in der hebräischen Schule aufwächst, den Anfang des neuen jüdisch-palästinensischen Volkstums darstellen werde, daß sie ohne die Schlacken, des Galuth die erste unter normalen Lebensbedingungen erzogene Generation sein werde. So konnte man sagen, daß diese neue.Generation einen Prüfstein für die Richtigkeit unserer Idee abgeben werde. Der Zionismus lehrte, daß die seelische und moralische Situation des heutigen Juden ein . zwangsläufiges Produkt des Galuthdaseins sei, daß der Zwang zur Anpassung die Einheitlichkeit der Persönlichkeit vernichten und jenen Typus des Galuthjuden hervorrufen müsse, den zu überwinden der eigentliche Kerngedanke des Zionismus ist. Demgemäß mußte die erste in Palästina aufgewachsene Generation jenen Typus aufzuzeigen haben, oder ihm wenigstens nahe kommen, der das Gegenbild des Galuthjuden darstellt. Man muß ausdrücklich betonen, daß die Jungen und Mädchen, die im Augenblick die Schulen Palästinas frequentieren oder sie vor kurzem verlassen haben, noch nicht diesem Gegenbild entsprechen. Diese Generation ist anders,, sehr wesentlich anders als jüdische Kinder der Galuthländer, sie ist sicherlich in vielen Dingen gesünder, normaler, wurzelfester geworden; aber auch sie stellt noch eine Übergangsgeneration dar. Sie ist weiter gekommen auf dem Wege, der zur Normalisierung unseres Volkes führen soll, aber auch sie hat das Ziel noch nicht erreicht. Es ir j schwer, die psychologische Summe dieser Generation zu ziehen, vor allem weil die junge Volksgemeinschaft Palästinas nicht einheitlich ist, weil alte Schichtungen vom Galuth her und neue Schichtungen aus dem Lande selbst ein uneinheitliches Milieu entstehen lassen. Es bedarf weder einer Auseinandersetzung darüber, von welch entscheiden- 5 Der Jude, IX, Sonderheft II. <?5