Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das hebräische Schulwerk in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 64 (sequence 2)
- Language
- German
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Fritz Loewenstein diejenige im Galuth. Die Gewinnung der Jugend erscheint deshalb als die wesentlichste und aussichtsreichste Form zionistischer Propaganda, weil gerade hier seelische Umformung noch möglich und erreichbar ist. Es ist deshalb um so merkwürdiger, mit welcher Gleichgültigkeit die zionistische Öffentlichkeit ihrer wichtigsten Erziehungsposition gegenübersteht, dem hebräischen Schulwerk in Palästina. Immer wieder betont man, daß jede jüdischnationale Erziehung außerhalb Palästinas Stückwerk bleiben müsse, daß auch die beste Erziehung das fremde Milieu nicht auszuschalten vermag, daß nur auf dem Boden Palästinas, im hebräisch sprechenden Milieu, eine neue jüdische Generation erzogen werden kann. Diese Erkenntnis hat es aber bisher nicht vermocht, für Fragen des palästinensischen Schulwerks Interesse in der zionistischen oder gar der weiteren jüdischen Öffentlichkeit hervorzurufen. Es ist nur eine Frage aus dem Gebiete des Erziehungswerks, die immer wieder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich lenkt, die des Erziehungsbudgets, die aber eher zum Gebiet der Finanzierung des Palästinaaufbaus und nicht zu dem der pädagogischen Probleme gehört. Seit 1913/14, da der Streit um die Unterrichtssprache am Technikum den Schulkampf in Palästina entzündete, da der Jischuw in erstmaliger Aktivität die zionistische Bewegung zwang, die allenthalben im Lande entstandenen hebräischen Schulen zu übernehmen, seit dieser Zeit ist das Interesse der Öffentlichkeit für das Schulwerk beinahe wieder erloschen. Die hebräische Sprache als alleinige Unterrichtssprache hat sich — so etwa argumentiert man — völlig durchgesetzt; was an Problemen übrig bleibt, sind interne Schulfragen, die nur den Berufspädagogen etwas angehen. Diese Stellungnahme aber ist falsch und stellt überdies ein Unrecht gegenüber einem der wertvollsten Teile des Jischuw, gegenüber dem hebräischen Lehrer, dar. Diese Gleichgültigkeit ist daran mitschuldig, daß bei den Budgetberatungen des Zionistenkongresses, wenn die unvermeidlichen Streichungen beginnen, es fast immer das Erziehungsbudget ist, gegen das sich die Angriffe richten. Die Forderungen der Landwirtschaft, der Alijah, der Industrie finden Unterstützung in weiten Kreisen: der Lehrer steht mit seiner Forderung häufig genug allein. Dieser hebräische Lehrer aber ist vielleicht der einzige Typus im Lande, der dem Chaluz an die Seite gestellt werden darf. Weder seine Leistung, noch sein Opfermut stehen denen des landwirtschaftlichen Arbeiters nach. Während aber dieser in allen Entbehrungen den einen Trost hat, zu wissen, daß die ganze Bewegung mit Stolz und Dankbarkeit auf ihn blickt und zu würdigen versteht, daß er der eigent- ^4