Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Jugendnot in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 62 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Moses Calvary zu übertragen, so ist kaum zu besorgen, daß sich hier die Taten der „Alliance" oder des ,, Joint" wiederholen. Man darf sich aber nicht, wie gewöhnlich bei diesen Schulen, mit der primitiven allgemeinen geistigen Ausbildung, soweit sie nicht den Beruf betrifft, begnügen, da man dann wieder den begabten Jugendlichen von der handwerklichen Ausbildung abschreckt, und muß sehen, die Schwierigkeiten, die infolge der Weltanschauungs-Zerklüftung der städtischen Bevölkerung entstehen, durch eine weitgehende, wenn auch die Schule verteuernde Wahlfreiheit zu überwinden. Gibt es für die handwerkliche Ausbildung der reiferen Jugend heute immerhin schon Möglichkeiten, so fehlen diese für die Erziehung zur Ländwirtschaft, wenn ich von der einzigen, überfüllten Schule in Mikweh absehe. Die Ausbildung bei einem Bauer kommt kaum in Frage, da dieser außer für seine Söhne selten noch die Möglichkeit einer Beschäftigung hat. Das Problem beginnt für die Landwirte im Emek schon brennend zu werden, besonders in den Kwuzoth, und wird von der Arbeiterorganisation in seiner ganzen Schwere empfunden. Es wurde in den letzten Jahren wiederholt eingehend besprochen, und zwar in Verbindung mit einem weiteren Schulproblem des Emek. Die Kleinheit der meisten Siedlungen bringt es mit sich, daß die Schulen der einzelnen Siedlungen nicht ausreichend ausgestattet werden können, weder mit genügend Lehrern, noch mit den nötigen Lehrmitteln. Deswegen plant das Kulturkomitee schon seit Jahren die Eröffnung einer Zentralschule im Emek. Die einzelnen Siedlungen wehren sich, sie wollen ihre Kinder behalten. Nicht nur die Eltern widersprechen, alle Siedler empfinden, daß ihnen ein wichtiges Element ihres Gemeinschaftslebens geraubt wird, wenn man ihnen die Kinder nimmt. So tauchte der umgekehrte Vorschlag auf: in die einzelnen Siedlungen Kinder von außerhalb aufzunehmen, etwa von städtischen Arbeitern, und ihnen so die Möglichkeit einer besser ausgestatteten Schule zu gewähren. Der Gedanke leuchtet ein —■ die oben geforderten Landerziehungsheime mit zahlenden Kindern könnten sich durchaus in diesen Siedlungen befinden —• kann aber wohl höchstens für Kinder im Volksschulalter verwirklicht werden. Zunächst hat man ein Kompromiß geschlossen, und beabsichtigt, eine Zentralschule im Emek für Kinder von zwölf bis sechzehn zu gründen. Die Gründung eines oder mehrerer solcher Heime für die volksschulentlassene Jugend ist eine Notwendigkeit, wenn wir nicht darauf verzichten wollen, diese reifere Jugend in den Gesundungsprozeß unseres Volkes überzuführen. Wir kommen auch damit nur ihrem eigenen Drängen entgegen. 62