Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Jugendnot in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 63 (sequence 14)
- Language
- German
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Jugendnot in Palästina Wenn wir so einem großen Teil der Jugend den Eintritt in das unmittelbar schaffende Leben des Landes gewähren können, dann werden sich von selbst die Fragen der Mittelschule lösen. Denn dann wird diese von einem großen Teil der Schüler befreit, die sie nur darum besuchen, weil sie nirgends im Lande eine andere Möglichkeit für eine befriedigende Ausbildung sehen, die Werte schafft und Persönlichkeiten entwickelt. Dann können die Mittelschulen sich ganz der wissenschaftlichen Aufgabe zuwenden. Aber falls ich den Brennpunkt des Jugendproblems richtig in der besonderen psychischen Struktur des jüdischen Jugendlichen Palästinas sehe, der einerseits sich sehnt, am produktiven Aufbau des Landes und des Volkes teilzunehmen, andererseits auf die Befriedigung seiner geistigen Bedürfnisse nicht verzichten will und kann —• so bedürfen die geschilderten Einrichtungen noch einer entscheidenden Ergänzung. Denn noch erhebt sich für den Jugendlichen die Frage, ob er nicht später, als Erwachsener, mit achtzehn Jahren und darüber, von dem Strom geistigen Lebens abgeschlossen sein wird, und diese Sorge treibt ihn wieder, auch wenn er keine eigentlich wissenschaftliche Natur ist, in die Mittelschule. Um diese Sorge zu beheben, bedürfen wir eines weit ausgebauten Volkshochschulwesens. Die Kulturkommission der Histadruthhaowdimhat bereits vor einem Jahre einen zweijährigen Kurs zur Ausbildung von Lehrern für ihre eigenen Kurse vorgeschlagen, in dessen erstem Jahre je einige Monate einem bestimmten Fache zugewiesen werden sollen. Solche Kurse müßten —» nach dem Muster Dänemarks — einem größeren Teil der Arbeiterschaft zugänglich sein. Daneben ist ein reiches Netz von Abendkursen nötig. Die Forderung geht dahin, das Leben zeugenden Geistes nicht einigen wenigen zu gönnen, sondern von ihm aus befruchtend das ganze Volk immer wieder zu erneuen. Das ist unsere Aufgabe, und erst wenn sie ihrer Lösung näher geführt ist, wird die Jugend Palästinas den Weg zu ihrer, zu unserer Zukunft beschreiten können, ohne von Konflikten zermürbt zu werden, die ihr persönliches Wesen zerstören. FRITZ LOEWENSTEIN ©<*s efcr äff e S^uiwerf in pal&ftina Die zionistische Bewegung kann letzten Endes als eine erzieherische Bewegung bezeichnet werden. Sie will das jüdische Volk zur Selbstbesinnung und Selbsthilfe aufrütteln. Daher ist fast jede zionistische Arbeit Erziehungsarbeit, insbesondere 63