Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Jugendnot in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 60 (sequence 11)
- Language
- German
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Moses Calvary von 120 Kindern in wenigen Jahren aus Feld, Garten und Hof monatlich zwei £ für den Kopf des Kindes herauswirtschaften zu können. Das Kind kostet an sich 4£ im Monat, würde also dann nur 2 £ kosten. Eine Summe von 3 oder auch 4 £ würden viele Eltern im Monat bezahlen, es wäre also auch die Möglichkeit von vielen Freistellen vorhanden. Es handelt sich demnach bei der Gründung solcher Heime auf Nationalfondsboden um die Aufbringung der Mittel für die Bauten, die Einrichtung und eine Garantiezeichnung für etwa fünf Jahre. Und wenn die Mittel da sind, werden wir dann die Menschen haben? Ich glaube antworten zu dürfen: ja. Es gibt im Lande manche jungen Lehrer, die sich im wesentlichen als Erzieher fühlen, nach erzieherischer Aufgabe sich sehnen, und nur auf den Ruf warten. Schwieriger ist es vielleicht, die Führer zu finden, nicht die amtlich-organisatorischen, sondern die geistigen, ohne die ein solches Werk nicht wohl gelingen kann, wie auch in Europa alle solche Anstalten die Schöpfung wagemutiger Einzelner sind. Und Erez Israel hält eine strenge Auslese, es ist, als ob um Höhen und Tiefen dieses Landes noch immer Geist der Propheten lagere, Spreu vom Weizen sondernd. Schon mehr als einer ist hier gescheitert, der den besten und reinsten Willen hatte, weil es ihm an Kraft der zeugenden Persönlichkeit gebrach. (Freilich stehen auch noch belanglose Menschen an sichtbarer Stelle, manche, deren Automation nicht die Kraft, sondern die Macht ist •— auch ihre Stunde wird schlagen.) Die Aufgabe, ernsthaft in Angriff genommen, wird die Führer wachsen lassen, wachsen lassen aus der Mitte der Arbeitenden. Um drei Dinge geht es, soweit ich erkenne, bei der Erneuerung der Schule. Um den Lehrplan, d. h. das Was des Wissens und der Beschäftigung: diese Fragen werden erst bei der Gestaltung der Schule allmählich gelöst werden. Dann um den inneren Aufbau der Schule und ihr Ziel: selbständige Arbeit, manuelle wie geistige, und damit gefühlsmäßiges Interesse an der Arbeit und ihrer Vollendung sowie an den geistigen Werten, Naturnähe, Urteilsbildung, Erziehung zur Gemeinschaft. Auch das sind ke^'ne ewigen Werte. Nicht ein für allemal ist manuelle Arbeit für jeden Beruf und jeden Menschen von Bedeutung, zuweilen bedarf ein Volk gerade der intellektuellen Entwicklung, es mag sein, daß eine Epoche von ihren Erziehern durchaus eine Lockerung der Gemeinschaft zu Gunsten des Individuums verlangt. Aber hier und heute, in dieser Situation unseres Volkes und auf Generationen hin, ergeht an uns der Ruf zu jenen Zielen. Und drittens: es geht um die Haltung des Erziehers zum Kinde, um seine Hin- 6o