Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Jugendnot in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 58 (sequence 9)
- Language
- German
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Moses Calvary vier (vier!) Lehrerseminare haben in ihrer Ganzheit, trotz der Versuche einzelner Persönlichkeiten, noch keine entschiedene Stellung zu den Bedürfnissen unserer Volksschuljugend, Bestrebungen zu ihrer Erneuerung sind vorhanden, es verlassen auch jährlich eine Reihe von Schülern die Anstalten, die aus ihnen Anregungen für die Umwandlung des Volksschulwesens erhalten haben, aber der Kampf um die neue Volksschule müßte von ihnen in ganz anderer Weise geführt werden. Offen steht dem Volksschüler noch Mikweh Israel, gegen Schulgeld. Es ist, wie es heißt, eine gute Ackerbauschule, aber keine Erziehungsanstalt des ganzen Menschen. Die Mädchenfarm in Nahalal nimmt nur größere Mädchen auf, im allgemeinen mit einer gewissen Mittelschulbildung, das gleiche gilt von der Schwesternschule der Hadassa. Die Lehrfarmen der Arbeiterinnen haben keinen Bildungszensus, sind aber auch für Erwachsene berechnet. Das Gleiche ist wohl bei der Haifaer Frauenschule der Fall. Für Volksschüler kommen noch die Kurse für Säuglingspflege der Hadassa, eine Kochschule, sowie die Handelsschulen in Betracht, über die ich kein Urteil habe. Eine wirkliche Bewegung der Jugend ist nicht vorhanden. Die erwähnten Bestrebungen um Sprache, Industrie, Nationalfonds, für die sie sich oft leidenschaftlich einsetzt, sind als solche nicht zu bezeichnen. Der Bund der Zofim (Pfadfinder), im wesentlichen auf die Mittelschulen beschränkt, wird immer wieder von neuem von außen belebt, steigt an, fällt wieder, schwankt zwischen englischer und festländischer Auffassung, Pfadfindertum oder Jugendbewegung, zwischen bescheidener, aber tüchtiger Kleinarbeit und Aufruf zu beruflicher Umstellung, einzelne Führer suchen sich und ihre Ideen durchzusetzen -— man müßte mitten in seiner Tätigkeit stehen, um seine Entwicklungsmöglichkeiten beurteilen zu können. Daß er noch kein ausgesprochenes Ziel hat, ist kein Argument gegen ihn, aber es scheint auch noch an dem echten Wollen zu fehlen, und sei es dumpf, unbestimmt, chaotisch, ohne das keine rechte Bewegung denkbar ist. Reif und bereit ist die Jugend zu folgen, wenn ihr der rechte Führer ersteht, vielleicht bedarf es nur dieses zündenden Blitzes. —■ Aus den hier geschilderten Zuständen heraus ist die Not der reiferen Jugend zu begreifen. In den Mittelschulen richtungslos, den Zufällen der Umgebung preisgegeben, ohne Verbindung mit dem eigentlichen Palästinaaufbau, die große Masse im primitiven Handwerk, nicht imstande, ihre beruflichen und geistigen Bedürfnisse zu befriedigen. Wie kann dem abgeholfen werden? 58