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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 57

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Jugendnot in Palästina
Date
1925-01-01
Page
57 (sequence 8)
Language
German
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Jugendnot in Palästina schulen zu, von denen jede ihre besondere Eigenart hat. Ich will sie nicht im einzelnen charakterisieren, dafür ist eine deutsche Zeitschrift nicht der Ort, und dazu fehlt mir die Qualifikation, da ich ihnen teils zu nahe, teils zu fern, keineswegs über ihnen stehe. Nur das, was für das vorliegende Problem das Wichtigste ist, sei gesagt. Die beiden Gymnasien leiden an einer Überfülle von Bildungsstoff, was von allen Seiten empfunden wird. Die hebräischen Fächer nehmen notwendigerweise so viel Platz ein —» viel mehr, als etwa die Landessprache und Religion in europäischen Schulen —daß in den andern Fächern Stoffüberbürdung unvermeidlich ist. Es gibt nur ein Heilmittel, das auch von führenden Pädagogen hier empfohlen wird: Wahlfreiheit auf der Oberstufe, daneben Fachsystem statt Klassensystem. Aber das kostet Geld, und kann wohl auch fruchtbar nur durchgeführt werden, wenn es der Volksschule und der Unterstufe der Mittelschule gelingen wird, eine entschiedenere Erziehung zur Urteilsbildung und zu selbständiger geistiger Arbeit durchzuführen. Wichtiger noch, und mit dieser Bildungsfülle zusammenhängend: die Gymnasien stehen in keiner Verbindung mit dem arbeitenden Leben des Landes, so wenig wie in Europa. Das muß wohl so sein, wenn man sie nicht in ihrem Kern antasten, also eigentlich aufheben will. Sie sind ihrer Anlage nach, sowie in der Auffassung der Schüler, ein Weg zum Universitätsstudium. Aber ein großer Teil der Schüler kann gar nicht studieren, er besucht das Gymnasium entweder in dem —- berechtigten — Glauben, daß das Diplom ihm auf alle Fälle nützen werde, oder aber, um richtungslos seine Bildung zu vervollkommnen, sehr selten aus einem ernsthaften Interesse für irgend ein Fach, ein Interesse, das, selbst wenn vorhanden, bei der Fülle der gleichmäßig behandelten Fächer sich nicht recht vertiefen konnte. Es ist ein Jammer um diese Jugend, der außer in einigen Fächern keine ernsthafte, ihrem Alter und ihrer Begabung entsprechende Aufgabe gestellt werden kann, und deren dunkles Sehnen nach Teilnahme an der Volksarbeit entweder in dem leichten Getriebe der Stadt erstickt wird oder in Propaganda für die Sprache (Gdud megine hassafah), heimische Industrie (Tozereth haarez), Nationalfonds seine Erfüllung finden muß, an sich unverächtliche und der Jugend würdige Gegenstände, aber nicht ausreichend, um sie heute, da die Hauptarbeit getan ist, wahrhaft auszufüllen. Mit entschiedener Beschränkung geht die Haifaer Realschule ihren Weg, und mag wohl einen Teil des jüdischen Bürgertums einen Weg in das produktive Leben führen, zum Teil über das Technikum. Die Realschule des Misrachi ist noch zu jung und unbestimmt, um ein Urteil zu gestatten. Die 57

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