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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Jugendnot in Palästina
Date
1925-01-01
Page
56 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Moses Calvary Musik und Sport. Hier versammeln sie sich Abend für Abend, um allgemeine Fragen oder Probleme des Tages, ihres Tages zu besprechen, in ihrem Klub zu spielen und sich zu unterhalten, und aus den alten Bindungen der Gemeinde herauswachsend, sich ihrer menschlichen und jüdischen Aufgabe zu versichern. Hier redigieren sie ihre hektographierte Zeitschrift, in der sie Fragen ihres Zusammenlebens behandeln, und geben zuweilen auch gedruckte Hefte heraus, mit allgemeinen, politischen oder literarischen Beiträgen. Von hier aus organisieren sie ihre Wanderungen. Das alles geschieht mit den unzureichendsten Mitteln von seiten der Arbeiterorganisation, unterstützt durch die Pfennige, die jedes Mitglied beisteuert. Hier bilden sich auch Gruppen, die sich aus dem Staub der Stadt heraussehnen, von landwirtschaftlichen Arbeiterjugend - gruppen träumen und ihretwegen mit der Landwirtschaftszentrale der Arbeiterorganisation verhandeln. Und wie ihnen so ihre Organisation einen Teil der fehlenden Familie und Schule ersetzt, so muß sie auch die Forderungen des Schutzes erfüllen, die wir sonst an staatliche Instanzen stellen. Nach Arbeitszweigen in Sektionen geteilt, bemüht sie sich, dem jungen Gefährten Arbeit zu verschaffen, ob er nun anfängt, ins Berufsleben zu treten, oder ob er arbeitslos geworden ist, ihn zu organisieren und ihn in Einzelheiten seiner Fortbildung zu beraten. Sie übernimmt die Vertretung des Jugendlichen, wenn ein Unternehmer seine moralischen, hierzulande moralischen, in Europa längst juristischen Verpflichtungen nicht erfüllt. Sie hat bei jenem Streichholzfabrikanten eine menschenwürdige Behandlung seiner Arbeiter durchgesetzt; die Fabrik ging später aus Mangel an Mitteln ein; aber besser keine palästinensischen Streichhölzer, als solche, die mit so unerhörten Opfern unserer Jugend erkauft sind. Die Jugendorganisation tritt ein, wenn die Arbeitsbedingungen eines Gefährten unzureichend sind, wenn ein Unternehmer, auf die bisherigen Landesgesetze gestützt, einem in seinem Betriebe bis zur Arbeitsunfähigkeit verwundeten Jungen als Entschädigung nur den Lohn eines Arbeitstages gewähren will, wenn ein Waisenjunge, dem infolge eines Arbeitsunfalls die Hand amputiert ist, keinen Pfennig erhalten soll, um sich auszuheilen, wenn die Fabrik den Eltern eines Jungen, der bei der Arbeit durch Nachlässigkeit der Betriebsführung getötet wurde, keinerlei Entschädigung gewährt. Und so reibt sich die arbeitende Jugend in Kämpfen und Mühen auf, die eine geordnete Gesellschaft ihr längst abgenommen hätte. Wer es irgend kann, wendet sich, von der Volksschule her ganz auf geistige, meist literarische Bildung eingestellt, den Mittel- 56

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