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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 55

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Jugendnot in Palästina
Date
1925-01-01
Page
55 (sequence 6)
Language
German
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Jugendnot in Palästina losen Zimmer arbeiten, zahlte jedem 3 Piaster (60 Pf.) täglich und konnte dank dieser Vergewaltigung von Kindern eine Zeitlang seine „Fabrik" aufrechthalten. Einen geordneten Lehrgang der Arbeit gibt es nirgends, so lernt z. B. kein Mädchen bei seiner Schneiderin Zuschneiden, man will doch keine Konkurrentin großziehen! Ein paar Anstalten für Näherei, Schneiderei und Schusterei, von Frauenorganisationen oder dem Waisenrat unterhalten, dürften den Kindern mehr Schutz bieten als der Durchschnittshandwerker, aber auch sie arbeiten nur auf Bestellungen hin, haben keinerlei erzieherische, kaum arbeitserzieherische Intentionen (lehren z.B. Zuschneiden ebensowenig). Von irgend welcher bewußten geistigen Beeinflussung und Weiterbildung ist in diesem ganzen Bereich keine Rede, eine staatliche oder städtische oder zionistische oder private Fortbildungsschule gibt es im ganzen Lande nicht, geschweige denn einen Zwang für den Lehrherrn oder die Lehranstalt, auf eine derartige Fortbildung irgend welche Rücksicht zu nehmen. Die drei erwähnten Faktoren sind es, die den Zustand des hiesigen jugendlichen Arbeiters, im Gegensatz zu den Verhältnissen Europas, kennzeichnen, oder vielmehr das Fehlen dreier Faktoren: der Familie, der Fortbildungsschule, des staatlichen Schutzes. Der Jugendliche ist eben, in unseren Zeiten des Übergangs, aus der treuen Sicherheit, die die alte Familie ihm bot und in Europa vielfach noch bietet, herausgerissen, er hat kein Heim, da^ ihm die Sorgen seiner Seele erleichtert, nicht nur, weil jene Welt, wie erwähnt, ihm irgendwie fremd geworden ist, sondern sie selbst besteht kaum noch, ist zermalmt in den Nöten des Alltags, besonders in den Städten. Die Bedeutung der Familie war ja zum Teil auch im festen Zusammenhang der einzelnen Gemeinde gegründet, der aschkenasischen, sefardischen, jemenitischen, und der jugendliche Arbeiter kommt notwendigerweise mit Gefährten aus allen Gemeinden in nahe tägliche Berührung. Und keine Schule hilft ihm, sich fortzubilden, kein Staat schützt ihn gegen den Lehrherrn. Der Ausnahmezustand schafft Ausnahmemaßregeln. So hat sich denn die städtische arbeitende Jugend (Hanoar haowed), von der Arbeiterorganisation unterstützt, selbst zusammengetan, um ihre dringendsten geistigen und beruflichen Bedürfnisse zu befriedigen. In ihrer Organisation haben sie in den Abendstunden ihre Kurse für konstruktives Zeichnen und Entwerfen, für Zuschneiden. Hier füllen sie die ärgsten Lücken ihrer oft armseligen Schulbildung aus, bilden Fortbildungsgruppen für Geschichte, Zionismus, Arbeiterbewegung, Zeichnen, für Literatur, Kunst, 55

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