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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 54

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Jugendnot in Palästina
Date
1925-01-01
Page
54 (sequence 5)
Language
German
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Moses Calvary mädchen, der Kontorbursche und das Kontorfräulein, der jugendliche Fabrikarbeiter und die Arbeiterin, der Eisenbähnarbeiter — alle diese und ähnliche Berufe sind Hier nur in geringem Maße möglich. Das Einjährigenexamen in Deutschland, ähnliche Einrichtungen in andern Ländern öffnen dem jungen Menschen eine Fülle von Berufen der Beamtenlaufbahn. Diese Nachfrage fehlt hier fast völlig. Bleibt der Hand wer kslehrling, das Nähmädchen. Die psychologische Hemmung des begabteren Volksschülers, sich diesen Berufen zuzuwenden, ist begründet in der ursprünglichen Kluft zwischen der allgemeinen Volksschule und den Kreisen des Handwerks. Das Handwerk ist in überwiegendem Maße ein Teil des alten Jischuw, die allgemeine Volksschule ein Kind Westeuropas. Der Knabe, der im Cheder gelernt, das Mädchen, das bis zum zehnten Jahre eine Schule besucht hat, sie können sich im Handwerk, im Kramladen, wieder unmittelbar den Kreisen zuwenden, aus denen sie stammen. Aber die Volksschule ist eine neue Welt, aus ihr ist, wenn man sie zu Ende besucht hat, die Bückkehr schwer. Ihre Träger wollten ja gerade diese alte Welt überwinden, wandten sich ab von den Gewohnheiten des alten Judentums, seiner Religion, seinen Lebensformen, seiner Kleidung, und seinen Sitten. Im Bewußtsein dieses Fortschrittsgedankens mag viel von „liberalen" Lehrern gesündigt worden sein, aber nicht diese Sünden sind das Entscheidende. Denn jene Kluft zwischen der Herkunft des Kindes und der neuen Schule besteht auch bei den orthodoxen Schulen. Sie beruht auf dem Wesen der modernen Schule, die nicht organisch aus den Bedürfnissen des alten Judentums heraus sich entwickelt hat — und so ist das Problem, da wir auf diese Schule nicht verzichten können, äuf dieser Stufe unlösbar, und kann erst in dem weiteren Aufbau und Ausbau des Erziehungswesens und der Berufsbildung seine Lösung finden. Wer ein Handwerk erlernen will, muß sich zu einem Handwerker in die Lehre geben und wird von diesem in primitivster Weise ausgenützt, wie es selbst in Europa unmöglich wäre. Es gibt keine Jugendgesetzgebung, die auch nur einen Maximalarbeitstag bestimmte, und die Lehrjungen arbeiten elf, zwölf Stunden und darüber. Dasselbe gilt von dem kleinen Fabrikbetrieb. Ein sogenannter Unternehmer, um ein Beispiel von vielen zu nennen, wollte sich einmal dieser Lücke in der Gesetzgebung bedienen, um auf billige Weise Streichhölzer herzustellen; denn Betriebsmittel besaß er nicht. Er nahm also zehn- bis vierzehnjährige Jungen von der Straße, Kinder, die von Rechts wegen in die Schule gehören, ließ sie den ganzen Tag in einem fenster- 54

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