Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Jugendnot in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 53 (sequence 4)
- Language
- German
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Jugendnot in Palästina nicht in alter Stärke lebendig. Eine gewisse Ermüdung und Sättigung ist eingetreten. Der Stand der Lehrer im ganzen ist älter geworden, hat Familiensorgen, ist verbürgerlicht. Die Entbehrungen, die unregelmäßigen, zuweilen gänzlich ausbleibenden Zahlungen des Gehalts haben einen Teil von ihnen zu Beamten werden lassen. Die Schulen sind im allgemeinen keine Stätten der Erziehung, oder doch nur soweit, als eben den Fächern und der Disziplin der herkömmlichen Schule erziehende Kraft innewohnt; selten, auch in kleinen Ortschaften, daß ein Lehrer den Rahmen seiner Wirksamkeit, seiner Verbindung mit den Schülern über die Zeit des eigentlichen Unterrichts hinausspannt. Und dabei kommt von den Schülern ein ungewöhnliches Maß von Vertrauen, von Hingabe den Lehrern, der Schule entgegen. Es ist immer wieder ein betrübender Anblick, wenn zu jedem Jahreswechsel vor dem Erziehungsdepärtement der Zionistischen Exekutive Dutzende von Lehrern anstehen, die aus den Dörfern und Städtchen fort wollen, in die großen Städte, nach Tel-Awiw, Jerusalem, Haifa. Jenes Verwachsensein mit der Scholle, das den europäischen Dorfschullehrer kennzeichnet, der in Freistunden mit Gemüsebau, Bienenzucht, im Stall und auf der Wiese beschäftigt ist — es ist hier kaum vorhanden, und wird sich wohl erst einstellen, wenn noch mehr als bisher Söhne von Bauern und Landarbeitern Lehrer werden. Mehr Leben und Initiative als in der allgemeinen Volksschule herrscht in den Schulender Kulturkommission (Waadathhatarbuth) der Arbeiterorganisation (Histadruth haowdim). Die kommunistische Kwuzah, in der Männer und Frauen beruflich tätig sind, bedurfte des Kinderheims. Hier leben Lehrer und Schüler zusammen, hier bearbeiten und verwalten die Kinder in Haus und Küche, in Hof und Garten ihr Reich selbst, hier verwachsen die Lehrer und die Kinder mit den Bedürfnissen der Arbeit und des Bodens. Auch in Tel-Awiw gibt es eine Schule für Arbeiterkinder, die heimartig aufgebaut ist, die Kinder bleiben dort täglich bis fünf, bereiten sich zwei Mahlzeiten selbst und arbeiten in ähnlicher Weise wie in den Landheimen. Hier wie dort fehlt es an Mitteln, aber der rechte Weg zur Einfügung der Jugend in das arbeitende Palästina ist hier beschritten. Schwerer noch als die Einstellung der Lehrer und der Schulen, die nicht genügend dem wirtschaftlichen Leben des Landes angepaßt sind, drücken auf die Entwicklung der reiferen Schüler allgemeine Verhältnisse. In Europa wird die volksschulentlassene Jugend aufgenommen von einem breiten Bett der Volkswirtschaft, die einer Menge junger Menschen bedarf. Das Laden^ 53